Von Jost Nolte

Der Gedanke, daß ausgerechnet diese Menschen jemals ermordet werden könnten, war gänzlich absurd. Das Verbrechen hatte mit den Opfern nichts zu tun; sie hätten ebenso gut durch einen Blitzschlag getötet werden können. – Dies war im Herbst 1959 die Meinung der Leute von Holcomb in West-Kansas, als die Leichen der Farmer-Familie Clutter gefunden worden waren. Es war auch die Ansicht der Polizei, die den Fall untersuchte: Die Clutters waren die besten Menschen, die man weit und breit kannte.

Im Frühjahr 1965 wurden die Mörder der Clutters, Richard Eugene Hickock und Perry Edward Smith, zum Galgen geführt. Einer von ihnen sagte: „Ja, was gibt’s zu sagen über die Todesstrafe? Ich bin nicht dagegen. Es ist reine Rache, aber was ist gegen Rache einzuwenden?“

Truman Capote hat über die Tat von Holcomb sein „Kaltblütig“ geschrieben, wie er es nannte, einen „wahrheitsgemäßen Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen“. Er beschrieb, das vor allem hat sich eingeprägt, den Einbruch zweier Kinder des Bösen in die Welt guter Menschen.

Am Morgen des 20. Januar 1977 wurden in verschiedenen Räumen des Hauses Kohliwiese im Braunschweiger Ortsteil Mascherode fünf Tote gefunden: Der 46jährige Wolfgang Kraemer, Direktor der Braunschweiger Volksbank, seine 40jährige Frau Brigitte, die elfjährige Tochter Nele und die sechzehn und sechs Jahre alten Söhne Stefan und Martin. Sie waren mit Bindfaden erwürgt.

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