Von Hermann Bößenecker

Udo Knop, Vorstandsmitglied der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und bis November letzten Jahres Vorsitzender des neunköpfigen Beirats der Porst-Unternehmensgruppe in Nürnberg/Schwabach, zieht Bilanz: „Wir haben so viel mit Porst erlebt, irgendwann ist das Maß einmal voll.“

Das Maß war für Knop und die BfG nach vierzehnjähriger Zusammenarbeit voll, als Hannsheinz Porst, eigensinniger und irritierender Grenzgänger zwischen Kapitalismus und Sozialismus, zu einem neuen Schlag ausholte, um sein Modell einer kollektiven Führung konsequent durchzuboxen. Als sich Knop dem entgegenstellte, berief Porst den Bankier und gleichzeitig noch den Regensburger Rechtsprofessor Ekkehard Schumann aus dem Beirat ab und ersetzte sie durch Gattin und Sohn.

Trotz mancher Bedenken bestätigte auch das von Knop angerufene Firmenschiedsgericht den Hinauswurf: Porst Sei dazu berechtigt; denn Knop und Schumann saßen im obersten Gremium der Porst Verwaltungsgesellschaft (VG) als Abgesandte der Porstschen Familiengesellschaft, die am Kapital der Gruppe von 23 Millionen Mark noch mit fünf Millionen Mark, also weniger als einem Viertel, beteiligt ist. Achtzehn Millionen Mark hält bereits die Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft, die ebenfalls zwei Beiräte stellt, während fünf von der Belegschaft entsandt werden.

Der Marxist unter den deutschen Unternehmern hatte den beiden Herrn den Stuhl vor die Tür gesetzt, nachdem der Beirat einen Tag vorher, am 1. November, ihm selbst nahegelegt hatte, er solle seine Ämter niederlegen und ein Jahr früher aus der Geschäftsführung ausscheiden, als er ursprünglich ohnedies geplant hatte (zum 1. Januar 1979). Damit unterstützte der Beirat in seiner Mehrheit die beiden Mitgeschäftsführer Gustav Kampmann (Finanzchef, Porst-Vize und sein designierter Nachfolger) sowie Klaus-Dieter Arndt (Chef des Großlabors eurocop). Beide sahen in Porst den „Unruhestifter“ und wünschten seine „Entfernung“.

Als Knop von der Schiedsstelle mit seinem Einspruch abgewiesen war, kündigten bald danach Kampmann und Arendt. Auch die BfG machte kurzen Prozeß: Sie teilte mit, daß sie der Unternehmensgruppe von Ende Mai 1978 an nicht mehr als Hausbank zur Verfügung stehe und das bis dahin laufende Engagement nicht verlängern wolle. Die Westdeutsche Landesbank Girozentrale, die erst seit Mitte letzten Jahres fünfzig Prozent der Betriebsmittelkredite gewährte, will die Verbindung aufrechterhalten, wenn Porst als Ersatz für die BfG eine „Großbank mit Niederlassung in Nürnberg“ bringe.

Zwar war die Kreditlinie beider Hausbanken von insgesamt 17 Millionen Mark im letzten Jahr im Schnitt nur mit 3,6 Millionen Mark in Anspruch genommen und erreichte nur einmal den Höchststand von neun Millionen Mark, aber auch für Porst gibt es keinen Zweifel: „Ohne neue Bank geht es nicht.“