ARD, Sonntag, 5. Februar, 21 Uhr: „Britta“ (2. Teil), Fernsehfilm von Berengar Pfahl (Buch und Regie).

Nicht auf allen Gebieten hat der jugendliche Konsument die meisten Vorteile. Dem Fernsehen zum Beispiel gilt die von der Wirtschaft so heftig umworbene Zielgruppe der 14- bis 20jährigen wenig. Für sie steht kaum Sendezeit, leider auch zu ungünstigen Terminal zur Verfügung. Und im Abendprogramm wild den jungen Zuschauern überhaupt kein Angebot mehr gemacht, nachdem das satirische WDR-Jugendmagazin „Baff“ vor Jahren an seinem eigenen Anspruch scheiterte: Es war für die meisten – erwachsenen – Zuschauer zu intelligent.

Mehr Glück hoffen die Programmacher jetzt mit einer neuen Produktionsform zu haben, de sich bereits in zwei Fällen bewährt hat: der Zusammenarbeit des Jugendprogramms und der Abteilung Fernsehspiel. Mit „Die Ilse ist weg“ und „Die Vorstadtkrokodile“ konnte der WDR sowohl im nachmittäglichen Jugendprogramm als auch am Abend nach 20 Uhr einen Achtungserfolg erzielen; die dritte Produktion dieser Art rechtfertigt noch gesteigertes Interesse: In Zusammenarbeit zwischen dem Jugendprogramm und der Fernsehspielabteilung des NDR entstand in der Rekordzeit von acht Wochen und zu einem Preis von nicht einmal 500 000 Mark der 180-Minuten-Spielfilm „Britta“, gesendet bereits im letzten Quartal des vergangenen Jahres im ARD-Jugendprogramm.

Fernsehspielchef und Talenteförderer Dieter Meichsner hatte sich sofort interessiert gezeigt, als der Autor und Regisseur Berengar Pfahl ihm von seiner neuen Drehbuchidee für das NDR-Jugendprogramm erzählte und eine Coproduktion anregte. Nach der Vorführung eines von Pfahl erdachten und inszenierten Spielfilms über ein Jugendzentrum fand Meichsner, daß er die Zusammenarbeit mit dem Jugendprogramm und diesem „unheimlich begabten Jungen“, dem es „wirklich Vergnügen macht, für dieses Medium zu arbeiten“, wagen sollte. Außerdem faszinierte ihn das Thema.

Die Hauptrolle sollte zunächst nämlich die Bundeswehr spielen, von der die meisten Jugendlichen nur sehr ungenaue Vorstellungen haben. Aber bei der Entwicklung der Story schob sich dann doch die Beziehung zwischen der 19jährigen Bundesbahnangestellten Britta und ihrem gleichaltrigen Freund Boris in den Vordergrund. Genaugenommen wurde es sogar eine Dreiecksgeschichte um Freundschaft, Liebe, Eifersucht und den beschwerlichen Weg zu Selbständigkeit und Eigenverantwortung.

Da ist Discjockey Boris, der gern mal die Freundin wechselt, sich aber schnell aus dem Staub macht und zur Bundeswehr flüchtet, als es ernst wird, weil Britta ein Kind von ihm erwartet. Da ist die Bundeswehr mit ihren für Zivilisten manchmal schwer verständlichen Eigengesetzen. Verblüffend unbefangen karikiert sie sich teilweise selber. Und da sind neben Britta und ihrer Freundin Sigrid eine Menge Jungen und Mädchen als Identifikationsfiguren für die jugendlichen Zuschauer, deren Lebensgefühl und Verhaltensweisen sie widerspiegeln.

An den genauen Dialogen und der behutsamen Führung dieser jungen Laiendarsteller und Schauspieler wird die außergewöhnliche Begabung des Filmemachers Pfahl für die ebenso realitätsbezogene wie unsentimentale Inszenierung eines alltäglichen Geschehens erkennbar. Hier stimmen Gefühle und Gesten, Handlungsweisen und Milieu bis ins Detail, wird Jugend nicht zelebriert, sondern mit all ihren Widersprüchen und Fragen wirklich gelebt.

Der erste Teil von „Britta“ lief bereits am 1. Februar. Man kann indessen auch den zweiten Teil mit Gewinn besichtigen, ohne den ersten unbedingt zu kennen. Heike Mundzeck