Im Alter von nur 43 Jahren ist Dr. Hartwig Kleinholz, Leiter der Volkshochschule und des Kulturamtes der Stadt Arnsberg in Westfalen gestorben. Nicht nur die Bürger der Stadt, auch viele Schriftsteller in ganz Europa trauern ihm nach. Hartwig Kleinholz ist es gelungen, in fünfzehn Jahren unermüdlicher und engagierter Arbeit – beide Eigenschaftsworte sind in diesem Fall kein bißchen Phrase – echte kulturelle Pioniertaten zu verwirklichen. Er holte in die kleine Stadt Neheim-Hüsten, die heute Arnsberg 1 heißt, britische, amerikanische, polnische, tschechoslowakische, jugoslawische Künstler zu Kulturwochen und längeren Aktionen. Seit 1969 organisierte er alle zwei Jahre ein internationales Kurzgeschichten-Kolloquium, an dem zuletzt mehr als 50 Literaten aus 15 Ländern teilgenommen haben. An dem Wettbewerb um den deutschen und den internationalen Kurzgeschichtenpreis beteiligten sich jeweils etwa 300 Autoren aus 30 Ländern. Der Kulturaustausch mit Osteuropa lag ihm besonders am Herzen. Als perfekter Organisator und herzlich fürsorglicher Gastgeber verstand er persönlichen Kontakt und Freundschaft mit deutschen und ausländischen Literaten zu pflegen. Dort, wo man tiefe Provinz vermutet, schaffte er eine Atmosphäre des dauerhaften Interesses für Literatur und Kunst vor allem unter den jungen Bürgern der Stadt. Er war einer von den seltenen Menschen (die wir so dringend brauchen), für die Kultur betrieb mit Kulturfaszination verbunden ist.

„Schwule raus“?

„Feuer unter dem Hintern“ fand eine Gruppe „Junge Nation“ in Paris das angemessene Mittel, ein Festival des homosexuellen Films zu stören. Zwanzig jugendliche Mitglieder dieser rechtsradikalen Bewegung stürmten das Pariser „La Pagode“ und schlugen vier Zuschauer krankenhausreif; zu den Verletzten gehörte auch der Regisseur Guy Gilles, dessen Film „Saint Genet – Dichter und Märtyrer“ mit Genets eigenem Film „Gesang der Liebe“ zu den beschlagnahmten Streifen gehört. Beschlagnahmt nämlich hat die Kriminalpolizei gleich mehrere Filme.

Diese Nachricht wirft ein eigenes Licht auf eine Unternehmung, die viel gelöhnt wurde, aber tatsächlich nicht ohne Eindringlichkeit und vor allem nicht ohne Notwendigkeit ist: 26 international renommierte Autoren – von Satre bis Grass, von Moravia bis Revel – interpellierten in einer ganzseitigen Annonce in „Time Magazine“ an USamerikanische Behörden, staatliche wie Wirtschaftliche Restriktionen gegen Homosexuelle in den USA aufzuheben; ohne Distanzierung von dieser! Bigotterie verliere Präsident Carters Menschenrechtskampagne jede Glaubwürdigkeit. Ob Juden, Katholiken, Intellektuelle oder Homosexuelle: Das „gesunde Volksempfinden“, stets mobilisierbar, ist stets ein Alarmzeichen. In deutschen KZs hatten sie nur verschiedenfarbige Winkel; der für Homosexuelle war rosa. Umgebracht wurde allemal.