DIE ZEIT

Nur mit Gelassenheit...

Als vor fünf Monaten beim Anschlag auf Hanns Martin Schleyer dessen vier Begleiter niedergeschossen wurden und die Fahndung nach dem entführten Arbeitgeberpräsidenten auf vollen Touren lief, schlugen die Emotionen hohe Wellen.

Roter Koch

Die Bundeswehr hat einen Koch entlassen. Nicht das Essen, sondern die Weltanschauung des jungen Mannes war seinen Oberen aufgestoßen.

Atlantische Unruhe

Wenn sich unter Verbündeten die Wirtschaftspolitik tiefgreifend auseinanderentwickelt, so lautete vor vier Jahren die Prognose des damaligen Bonner US-Botschafters Hillenbrand, dann wird diese Entwicklung auch auf die gemeinsame Sicherheitspolitik zurückschlagen.

Langsameres Siechtum

Die Angst der Bonner Koalition um ihre Mehrheit gibt einigen Randfiguren der SPD eine ungewöhnliche Machtfülle. Ein halbes Dutzend Abgeordnete können die Regierung lahmlegen.

Zeitspiegel

Ohne Bohnerwachs war die Alarmanlage im Terroristentrakt des Stammheimer Gefängnisses ihr Geld nicht wert. Experten des Landeskriminalamts gelang es (drei Wochen nach dem Tod von Baader, Ensslin und Raspe), das Telemat-System zu überlisten.

Worte der Woche

„Wir haben Verständnis für die Forderung von Vance nach einem Rückzug der Russen und Kubaner, denn die können in ihre Heimat fliegen.

Im Sand eine Mauer aus Menschen

Wieder einmal ging es zwischen Washington und Jerusalem hoch her. Kaum hatten sich wilde Siedler vom radikalen "Bund der Getreuen" (Gush Emunim) am biblischen Platz Shilo nördlich Jerusalems niedergelassen, kaum hatte sich der ägyptische Präsident Anwar el-Sadat von Carter verabschiedet, da hagelte es Vorwürfe von der einen, Proteste von der anderen Seite.

„Große deutsche Lok will nicht“

In seiner Regierungserklärung vor dem Bundestag hat Schmidt das Argument zurückgewiesen, daß die westdeutsche Wirtschaftslokomotive die schwachen Volkswirtschaften Europas aus der schlimmsten Rezession seit 1930 herausziehen könne.

Wolfgang Ebert: Alte Hüte

Herr und Frau Brodersen saßen vor ihrem Fernseher und warteten auf den Beginn der Abendnachrichten. „Du, Tom, geht es dir eigentlich auch so? Diese ganze Rentengeschichte langweilt mich maßlos“, sagte Gisela Brodersen.

Titelkampf mit Eigentoren

Am 27. Februar, null Uhr, wird der Wahlkampf in Frankreich offiziell eröffnet. So will es das Gesetz – doch die Politiker scheren sich herzlich wenig darum.

Zweimal Krach im Bundestag

In der Debatte über den Haushalt des Bundeskanzlers sagte Franz Josef Strauß: „Wogegen wir uns aber wenden, Herr Bundeskanzler – das sage ich mit aller Deutlichkeit –, ist der Bruch des Amtseides.

Kanzler ohne Coca-Cola?

Namen sind Nachrichten – wer sollte das mehr beherzigen als der Spiegel, der seine Storys um Personen zu ranken pflegt. Aber selten ist eine Personalie des Magazins von vornherein mit mehr Unglauben aufgenommen worden als der Hinweis, daß der Botschafter der Bundesrepublik in Wien, Horst.

Kernfrage Kernenergie

Mit großer Mehrheit hat der amerikanische Senat Carters Gesetzvorlage zum Atomsperrvertrag gebilligt. Das Repräsentantenhaus hat den Entwurf schon im vorigen Jahr verabschiedet.

Wieder Straßenkämpfe im Libanon

Das im Bürgerkrieg geschlossene Bündnis zwischen Syrern und libanesischen Christen ist in Gefahr: Heftige Straßenkämpfe zwischen ihnen forderten über 150 Tote.

Sowjetspione

Der Ärger über den Absturz der radioaktiven Trümmer des Kosmos-Satelliten auf kanadisches Territorium war noch nicht verklungen – die Kanadier fordern von Moskau einen Millionenbetrag für die Bergung –, da machte sich Ende der vergangenen Woche neuer Zorn über die Sowjets breit: Die kanadische Abwehr entlarvte 13 Angehörige der Sowjet-Botschaft als Spione.

James B. Conant gestorben

Die Deutschen kennen James B. Conant vor allem als den Mann, der die werdende Bundesrepublik als amerikanischer Hoher Kommissar und Nachfolger McCloys betrat und sie dann als erster amerikanischer Nachkriegsbotschafter verließ.

„Sprengstoff-Revoluzzer“

Die Ermordung bürgerlicher Politiker und Industrieller, die Attentate auf Flugzeuge und Gerichte, die Plünderung von Banken und Waffenarsenalen sowie die Hinrichtung unschuldiger Geiseln – all das mögen aufsehenerregende, atemberaubende Aktionen sein, die im übrigen verschreckten Bürgern, genau wie die Reizworte Diktatur, Gewalt und Revolution eine Gänsehaut auf den Rücken zaubern.

Die Lunte am Pulverfaß

Alles schien für Premierminister Callaghan zu laufen: Die Inflationsrate fällt in den Bereich einstelliger Zahlen, Zahlungsbilanz und Handelsbilanz sind positiv, die Einkommenspolitik ächzt und stöhnt, aber hält, und aus Westminster kommen wenig Störungen, denn das Parlament hat im ganzen Jahr nur zwei große Gesetze zu beraten; eines über Schottland und Wales, das andere über Europa wählen.

Noch brennen in der Türkei die Lichter

Endlich ist es soweit: Bülent Ecevit regiert. Sechs Monate dauerte sein Marsch durchs Parlament, vom Wahlsieger zum Ministerpräsidenten.

"Euch darf ich nicht grüßen"

Fünf Jung-Redakteure, allesamt Schüler der Lauenburgischen Gelehrtenschule, haben sich kräftig in die Nesseln gesetzt. Jetzt stehen ihnen gleich drei Strafanzeigen ins Haus: vom Landesschulamt wegen Beleidigung des Schulleiters, von Junger Union und CDU wegen der Verbreitung von verunglimpfenden Schriften und Verherrlichung des Terrorismus.

Blinder Fleiß

Die 121 Volksvertreter im baden-württembergischen Landtag schwätzen gern. Die Stuttgarter Parlamentarier haben im vergangenen Jahr zehn Wochen lang an je zwei oder drei Tagen durchschnittlich sieben Stunden beraten, außerdem neun Wochen in den Ausschüssen und elf Wochen in den Fraktionen diskutiert.

Tendenz-Suppe

Karl Marx darf nicht in die Küche. Schon gar nicht bei der Bundeswehr. Darüber wacht der militärische Abschirmdienst (MAD), der unter Soldaten neuerdings Marx-Abwehr-Dienst genannt wird.

Nichts geht mehr

Gerhard Stoltenberg ließ bitten und erbat sich von den Sozialausschüssen einen Burgfrieden bis nach der Kommunalwahl, Günter Jansen appellierte an die Solidarität der Genossen Gewerkschaftler.

HSV von der Rolle

So schnell geht das im Fußballbundesliga-Karussell. Wie hatten sie sich beim HSV allesamt auf die Schultern geklopft – das Präsidium, die Spieler, die Fans –, als sie im Oktober vergangenen Jahres den ungeliebten Manager Peter Krohn mitsamt dem neuverpflichteten Trainer Rudi Gutendorf losgeworden waren.

Keine Entscheidung

Die CDU-Saar, mit mehr als 30 000 Mitgliedern stärkste Partei des Saarlandes, wählte am Wochenende einen neuen Vorsitzenden.

„Heinz, ich bleibe“

Hoch ging es her in einem rauchigen Altstadtlokal, wo Rheinlands Sparkassenpräsident Friedel Neuber Zigeuner aufspielen ließ, damit Politiker, Wirtschaftler und Bankiers auf andere Gedanken kommen.

Drittes Reich: Geschichten von niederen Dämonen

Seine Vornamen waren Reinhard Tristan Eugen – Reinhard hieß er nach dem Willen der Mutter: „Stark im Ratgeben“, benannt nach einer Heldenfigur aus einem Werk ihres Mannes, der als Sänger und Musiklehrer ein privates Konservatorium betrieb und mit einigen Opern, darunter „Amen“ (1895 in Köln uraufgeführt) mäßigen Erfolg erzielt hatte; sein Vater zollte mit „Tristan“ dem wagnerianischen Zeitgeist Tribut; das musikalische Werk des Bayreuther Meisters wurde in der Familie besonders verehrt.

Viel Lärm, wenig Dampf

Was dem Bonner Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff während seiner ausgedehnten USA-Reise nicht gelang, wollte Washingtons Finanzminister Michael Blumenthal mit einem Blitzbesuch in Bonn schaffen: die andere Seite von der eigenen Meinung zu überzeugen.

Die Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Gemeinschaft ist irrt Königreich noch immer umstritten: "Den Schaden wiedergutmachen"

Wenn John Silkin von den Sitzungen der Agrarminister der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel auf die Insel zurückkommt und dem Unterhaus Bericht erstattet, wird er auf der Labour-Seite fast stets wie ein Held gefeiert, der in fremdem Land unter widrigen Umständen und gegen erdrückende Übermacht wieder eine erfolgreiche Schlacht geschlagen hat.

Alarm

Karl-Heinz Oettinger, Chef der expansiven Vereinigung der Spielwaren-Fachgeschäfte (Vedes), hat in seiner Branche seit largem die Nase vorn.

Der große Schnee

Eine ausgewachsene Katastrophe also, ohne Zweifel – und soweit zu beobachten war, haben zumindest die New Yorker sie in vollen Zügen genossen.

Bonner Kulisse

Die Bundesregierung muß jetzt auf Heller und Pfennig ausrechnen und der Öffentlichkeit mitteilen, wie hoch die Pensionsansprüche der ausgeschiedenen Minister Georg Leber, Karl Ravens, Helmut Rohde und Marie Schlei sind.

Böser Druck

Neues von unseren Nachbarn: Sie erfrechen sich, nur weil sie billiger sind, uns immer mehr Waren zu liefern. Und wir kaufen die auch noch.

Prügelknaben der Nation

Zwar hat er diese Woche in einem Zeitungsinterview nur auf den Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung hingewiesen und daraus abgeleitet, es könne sich „jedermann ausrechnen, daß die Tarifabschlüsse 1978 unter fünf Prozent bleiben müssen“.

Kampf um Montedison

Ich bin nicht der Bikini für die christlichdemokratische Blöße.“ Mit diesen Worten hatte 1972 Ex-Minister Cesare Merzagora eine Sanierung des größten italienischen Chemiekonzerns Montedison aufgegeben.

Monsieur Prix ist machtlos

Was war geschehen? Eine Untersuchung des Touring Clubs der Schweiz, Pendant zum deutschen ADAC, hatte zwischen den Preisen selbstimportierter Autos und jenen auf dem Schweizer Markt Differenzen von bis zu 35 Prozent zutage gefördert.

Mit Bier auf Stimmenfang

Die Regierung Raymond Barre hatte es mit den Franzosen nur gut gemeint, als sie im vergangenen November eine Verfügung über einen Höchstpreis für Bier erließ.

Eine Million für die Gewerkschaft

Nicht immer löst ein Geschenk bei seinem Empfänger reine Freude aus. Österreichs Chemiearbeitergewerkschaft beispielsweise ist sich noch nicht darüber im klaren, ob sie die ihr zugedachte Gabe – eine Papierfabrik und eine Million Dollar als Draufgabe – überhaupt akzeptieren will.

Firmen und Fakten

Der auch 1977 wieder eingetretene Verlust im versicherungstechnischen Geschäft wird durch den Überschuß des „allgemeinen Geschäfts“ weit überdeckt.

Comeback auf Raten

Nur zwei Prozent trennen Hans Gerling von der Alleinherrschaft in dem Versicherungskonzern, der seinen Namen trägt. Um an sie heranzukommen, wird er sich allerdings bis 1981 gedulden müssen.

Nun auch Chemie

Auf der Suche nach renditestarken Aktien stoßen immer mehr Großanleger auf die Papiere der BASF, von Bayer und Hoechst. Daß diese Unternehmen wegen ihrer schwindenden Gewinne die Ausschüttungen über das durch die Körperschaftsteuer-Reform gebotene Maß kürzen müssen, wird dabei in Kauf genommen.

Manager und Märkte

Die Sache ist kompliziert. 1932 war die alte Auto Union durch die Fusion der sächsischen Autofabriken Horch, Rasmussen, Zschopauer Motorenwerke und Audi entstanden.

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