Brecht-Keller

Gastronomisches Unternehmen in Bertolt Brechts ehemaliger Berliner Wohnung. Gekocht werden soll nach Rezepten der Helene Weigel. Ebenfalls in Brechts Wohnung untergebracht wurden: ein Museum und eine Brecht-Buchhandlung. Eröffnet wurde die neue „Kulturstätte“ im Beisein von SED-Generalsekretär Erich Honecker. An der Festpremiere des Berliner Ensembles (siehe Seite 46) nahm Honecker trotz anderslautender Gerüchte dann doch nicht teil. Hat er auch mal Glück gehabt.

Der Kieler Theaterkrach: Stephan Stroux rehabilitiert

Eine der unerquidklidisten Affären dieser Theatersaison fand jetzt ihr (vorläufiges) Ende: Die Stadt Kiel muß dem ehemaligen Schauspieldirektor Stephan Stroux, der im November 1977 fristlos entlassen worden war, eine Abfindung in Höhe von 95 000 Mark zahlen. Darüber hinaus muß die Stadt Kiel eine Erklärung abgeben, in der sie alle gegen Stroux erhobenen Vorwürfe ausdrücklich zurücknimmt. Die fristlose Kündigung war mit der Behauptung begründet worden, Stephan Stroux habe ein Dispositionschaos am Kieler Schauspielhaus verschuldet. Belegt wurde dieser Vorwurf mit einer Fülle zweifelhafter bis lächerlicher Beschuldigungen, die davon ablenken sollten, wer der eigentlich Schuldige für die Organisationsmisere war: der Generalintendant des Theaters, Claus H. Henneberg, der inzwischen, nach einem Nervenzusammenbruch, sein Amt niedergelegt hat. Der Schauspieldirektor Stroux ist nun rehabilitiert, doch der angerichtete Schaden ist beträchtlich: eine Theaterarbeit in der Provinz, die ehrgeizig und hoffnungsvoll begonnen hatte, ist durch eine kulturpolitische Intrige zerstört worden (unter den Opfern vermutlich auch: das Mitspracherecht des Ensembles am Kieler Schauspiel). Einige Künstler, die nach Stroux’ Entlassung ihre Verträge gekündigt haben, sind noch arbeitslos – ihnen wird niemand eine Abfindung zahlen. Der Hauptverantwortliche, der Generalintendant, ist krank und also nicht mehr zur Verantwortung zu ziehen. Der verantwortliche Kulturdezernent kann alle Schuld am Debakel auf den kranken Intendanten abschieben. Doch das Theater in Kiel geht weiter – schon stehen die Bewerber Schlange. Daß das Kieler Schauspiel Opfer einer kulturpolitischen Repressalie geworden ist, scheint keinen der Herren Bewerber zu irritieren (genauso wenig, wie es Hansgünther Heyme offenbar irritiert, Nachfolger Peymanns in Stuttgart zu werden). Schließlich geht’s um die Karriere – da kennt ein deutscher Mann keine Skrupel.

Hahn muß gehen

Der baden-württembergische Kultusminister Professor Wilhelm Hahn muß seinen Abschied nehmen. Nach vierzehnjähriger Dienstzeit fiel er einem Kabinettsrevirement in Stuttgart zum Opfer. Der achtundsechzigjährige Theologe hatte sich bis zum Schluß gesträubt, sein Amt abzugeben: „Ich bin nicht amtsmüde.“ Zu Beginn seiner Amtszeit verfolgte Hahn eine gemäßigt konservative Bildungspolitik. Er war einer der Begründer des Bildungsrates (Beratung der Bundes- und Landesregierungen im Schulwesen), den er aber schließlich 1976 selbst wieder zu Fall brachte, weil er in seinen Augen zu fortschrittliche Konzepte vorlegte. Er berief einen Arbeitskreis „Hochschulgesamtplan für Baden-Württemberg“ unter dem liberalen Professor Ralf Dahrendorf. Aber der daraus unter anderem hervorgegangenen Reformuniversität Konstanz wurden von Hahn in den letzten Jahren die Reformelemente wieder entzogen. Mitte der sechziger Jahre gab er Anregungen für die Gründung von Gesamtschulen, aber ab Mitte der siebziger Jahre bekämpfte er diese Schulen und ließ ein Gutachten darüber, das in seinem Auftrag erstellt worden war, nicht veröffentlichen. In den letzten Jahren hatte Hahn die Kontrolle über sein Ministerium weitgehend verloren. Als eigentlicher Kultusminister schob sich der Ministerialdirektor Paul Harro Piazolo nach vorn. Das Stuttgarter Kultusministerium wird nach Hahns Abgang in ein Schul- und Hochschulministerium geteilt. Schulminister wird der jetzige Bevollmächtigte von Rheinland-Pfalz beim Bund, der dreiundvierzigjährige Professor Roman Herzog; Hochschul- und Wissenschaftsminister der ehemalige Rektor der Freiburger Universität, der einundfünfzigjährige Professor Helmut Engler.