Phantastisch

„Der Mann, der niemals aufgibt“ von Clint Eastwood. Noch nie ist in einem Film soviel Blei verspritzt worden, und nur das Gesamtwerk von Griffith bietet mehr „last minute rescues“ aus ausweglos scheinenden Situationen. Clint Eastwoods sech-Stier Film als Regisseur ist ein unverschämt übersteigerter Action-Thriller und ein hinreißend unverschämtes Märchen. Und ein sehr präzises Porträt einer Beziehung, die sich von rüder Selbstbehauptung zu zärtlichem Verständnis entwickelt. Ein desillusionierter Polizist (Eastwood) versucht, eine Prostituierte mit College-Abschluß (Sandra Locke) als Zeugin von Las Vegas nach Phoenix, Arizona zu überführen – was einige Mafiosi und sehr viele Polizisten mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Doch aus Eastwoods „Dirty Harry“, dem harten, einsamen, introvertierten Cop mit dem Anti-Establishment-Komplex, ist hier ein Sir Gawein im Streifenwagen geworden, der mit einer streitbaren Anjazone auf einem fremden Planeten von Roboterarmeen gehetzt wird. Der amerikanische Scientifiction-Zeichner Frank Frazetta hat das Plakat zum Film entworfen – und exakt den Tenor getroffen. Denn mit „The Gauntlet“ (wörtlich: „Fehdehandschuh“ oder auch „„Spießrutenlaufen“) hat Clint Eastwood dem Genre des Polizeifilms eine neue Variante beschert: Police-Fantasy. Die Charakteristika: Ironie und lustvoll-mythische Übertreibung.

Helmut W. Banz

Beachtlich

„Wir kommen alle in den Himmel“ von Yves Robert, die Fortsetzung von „Ein Elefant irrt sich gewaltig“: einige Episoden aus dem mitunter komischen Alltag von vier Männern um die vierzig. Den Irrungen und Wirrungen der Freunde Etienne, Daniel, Simon und Bouly, ihren Ehekrisen, Ausbruchsversuchen, hetero- und homosexuellen Problemen, folgen Robert und sein Autor Jean-Loup Dabadie mit unaufdringlicher Sympathie. Aus vielen kleinen Begebenheiten fügt sich das Bild bürgerlichen Durchschnittslebens in Frankreich, ähnlich wie in den hierzulande immer noch verkannten Filmen von Claude Sautet („Vincent, François, Paul und die anderen“), der ebenfalls oft mit Dabadie arbeitet. „Nous irons tous au paradies“ (wiederum mit Jean Rochefort, Victor Lanoux, Claude Brasseur und Guy Bedos in den Hauptrollen) ist weniger konzentriert als der erste Teil, aber immer noch auf freundliche Weise unterhaltsam. Hans C. Blumenberg

Unterhaltsam

„Abba“ von Lasse Hallström. Abba: gestern bei Prinzessin Margaret, heute bei Rudi Carrell und dazwischen – im Film – auf Tournee in Australien. Eingelassen in eine angenehm-dürftige Rahmenhandlung, beschränkt sich die Selbstdarstellung dieser schwedischen Gesangsgruppe auf die Musik, die sie macht. Am besten sind sie bei ihren eingängigen, inzwischen leider etwas abgedroschenen Schlagern. „Abba“ ist ganz selten peinlich: wenn Spektakel auf der Bühne fehlende musikalische Substanz ersetzen soll. Mitunter amüsant: bei den Interviews eines fiktiven Reporters mit Abba-Fans. Was sie an Abba lieben, das spiegelt dieser unaufdringlich-selbstironsche Film wider, der so harmlos ist, daß auch seine Fehler nicht schwer ins Gewicht fallen. Peter Nau