Ost-Berlin schuldet dem Westen zwanzig Milliarden Mark

Von Joachim Nawrocki

Ich möchte nur noch einmal erwähnen, daß uns allein der Import von Rohkaffee im Jahr rund 300 Millionen Dollar kostet. Sie auszugeben, fällt uns nicht leicht." So sprach SED-Chef Erich Honecker im vergangenen Herbst und ließ eine neue Kaffeesorte einführen, die je zur Hälfte aus Kaffeebohnen und Kaffee-Ersatz bestand und sich sofort den Spitznamen "Erichs Krönung" zuzog.

Diese Kreation wirft ein Schlaglicht auf eines der ernstesten Probleme der DDR-Wirtschaft: Es fehlt überall an westlichen Devisen, und der Preisanstieg auf den Weltmärkten, vor allem für Rohstoffe, hat die Devisennot der DDR noch verschärft.

Aber die DDR-Führung versteht es seit langem, aus solchen Nöten so etwas wie eine sozialistische Tugend zu machen. Der Erfindungsreichtum ihrer Funktionäre beim Abkassieren von Westdevisen – vor allem Mark der Deutschen Bundesbank – ist nahezu grenzenlos. Auch kleinste Beträge werden nicht verschmäht.

Erfolgreiche Intershops

Kürzlich forderte die DDR beispielsweise, daß westdeutsche Binnenschiffe, die mit feuergefährlicher Ladung die DDR durchqueren, von Feuerlöschschiffen begleitet werden – gegen 1250 Westmark je Fahrt. Bisher konnte sich die DDR freilich damit nicht durchsetzen, weil sie auf den Widerstand der Bonner Vertretung in Ost-Berlin stieß.