Beachtliche Auswirkungen hatte das Berlinabkommen auch auf die Westmark-Einnahmen der DDR im Transitverkehr. Infolge der vereinfachten Kontrollen und beschleunigten Abfertigung hat sich der Personenverkehr auf den Autobahnen seit Abschluß des Abkommens verdoppelt, und auch der Güterverkehr hat zugenommen. Entsprechend wuchs die Pauschale, die die Bundesregierung für die Benutzung der Transitstrecken zahlt: Waren es 1973 noch 234,9 Millionen Mark, so werden es in diesem Jahr 400 Millionen Mark sein (siehe Tabelle).

Eine ähnliche Funktion wie die Intershops hat der Genex-Geschenkdienst. Über! Vermittlungsagenturen in der Schweiz und in Dänemark können Bundesbürger aus einem Katalog Waren bestellen und bezahlen, die dann an Freunde oder Verwandte in der DDR ausgeliefert werden, Ökonomisch ist dies eine einmalige Sache: Export ins Inland. Das Warenangebot reicht vom Delikatessenpaket über Wasserhähne und Teppiche bis zu Autos aus Ost und West sowie Segelbooten und Bungalows. Der Umsatz der Genex-Organisation wird auf mindestens 150 Millionen Mark geschätzt, der Reingewinn dürfte deshalb nicht unter 50 Millionen Mark liegen.

Ein weiterer großer Devisengewinn ergibt sich für die DDR im innerdeutschen Handel. Die besonderen Umsatzsteuervergünstigungen für den Warenverkehr zwischen beiden Teilen Deutschlands, der obendrein zollfrei ist, machen rund 390 Millionen Mark aus. Die Agrarlieferungen der DDR werden mit EG-Preisen und nicht mit den etwa halb so hohen Weltmarktpreisen bezahlt. Das bringt der DDR einen Mehrerlös von schätzungsweise 300 Millionen Mark. Und der zinslose Überziehungskredit (Swing), derzeit mit rund 750 Millionen Mark von der DDR in Anspruch genommen, bringt eine Zinsersparnis von etwa 50 Millionen.

Hinzu kommen in der Westmark-Bilanz der DDR die offiziell nicht bekanntgegebene Summe für den Häftlingsaustausch sowie eine Reihe kleinerer und mittlerer Posten.

Auf der Soll-Seite der DDR findet sich lediglich ein Ausgleichsposten für den Bahnverkehr. Da bei der gegenseitigen Verrechnung von Leistungen zwischen beiden deutschen Bahnverwaltungen die Bundesbahn seit einigen Jahren einen Aktivsaldo hat, muß die DDR im laufenden Jahr schätzungsweise 70 bis 120 Millionen Westmark aufbringen.

Die Aufzählung ist noch unvollständig. Westmark-Einnahmen hat die DDR unter anderem auch aus Mieten und Gebühren, die die Bonner Vertretung in Ost-Berlin und die dort residierenden Korrespondenten bezahlen. Und die Mieten sind nicht knapp, sie betragen für Büroräume pro Quadratmeter 25 Mark West und mehr.

Zählt man all diese Summen zusammen, dann ergibt sich selbst bei vorsichtiger Schätzung eine jährliche Westmark-Einnahme der DDR von über zwei Milliarden Mark, von denen rund 1.5 Milliarden direkt oder indirekt von den Haushalten des Bundes und der Länder getragen werden. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl der DDR ergibt sich, daß jeder DDR-Bürger von den Bundesbürgern mit rund 120 Mark im Jahr, "subventioniert" wird.

Die DDR braucht diese Einnahmen allerdings dringend. Ihre Devisenkredite sind enorm. Allein im innerdeutschen Handel steht die DDR mit 2.6 Milliarden Mark in der Kreide. Die Schweizerische Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat darüber hinaus gegenüber westlichen Ländern eine Nettoverschuldung der DDR von rund sieben Milliarden Mark errechnet. Da ein großer Teil der Kredite, die die DDR im westlichen Bankenapparat und bei Lieferanten aufnimmt, von dieser Rechnung noch nicht einmal erfaßt wird, glauben westliche Fachleute an eine Devisenverschuldung der DDR von insgesamt 20 Milliarden Mark. Die Westmark-Einnahmen sind da nur nur ein Tropfen auf den heißen Stein.