Von Horst Kerlikowsky

Klaus Götte hat Probleme, wie kein anderer: Was tun mit 26 Milliarden Mark? Und was tun mit den zwei Milliarden, die jährlich dazukommen?

Diese Probleme begannen für Götte vor fünf Jahren, als er vom Krupp-Konzern in den Vorstand der größten europäischen Versicherungsgesellschaft, der Allianz in München, wechselte.

Seither ist der Finanz-Experte Verwalter des größten Vermögens in Europa. Die Angst der Deutschen vor Diebstählen, Unfällen, Rechtsstreitigkeiten und dem Altwerden sowie deren Pflicht, sich als Autobesitzer zu versichern, bescheren der Allianz-Gruppe jährlich über acht Milliarden Mark Prämieneinnahmen.

Nur ein Teil dieser Einnahmen wird für fällige Zahlungen gebraucht. Der Rest muß angelegt werden, muß "arbeiten", weil die Verpflichtungen aus den Verträgen – hauptsächlich aus den Lebensversicherungs-Policen – erst in späteren Jahren fällig werden.

Schon längst übersteigen die Einnahmen aus diesen Kapitalanlagen die Differenz zwischen Prämieneinnahmen und Leistungen. So erwirtschaftete die Allianz-Sachversicherungsgruppe (ohne Lebensversicherung) 1977 aus Kapitalanlagen 200 Millionen Mark, aus der Differenz zwischen Prämieneinnahmen und Versicherungsleistungen jedoch nur 90 Millionen.

Das Vermögen der Allianz-Gruppe wird vor allem deshalb ständig größer, weil die Deutschen die Altersvorsorge immer wichtiger nehmen. Allein die Allianz Leben weist über 16 Milliarden Mark Kapitalanlagen aus. Alle anderen 110 in der Bundesrepublik tätigen Lebensversicherungen bringen es zusammen auf reichlich hundert Milliarden Mark.