Merkwürdig, wie kleingläubig die sowjetischen Kommunisten sind: Obgleich doch Karl Marx, ihr Prophet und Kirchenvater, mit aller Autorität versichert hat, daß die Geschichte ausschließlich von objektiven Fakten bestimmt wird und nicht von den Ideen der Menschen, fürchten sie den Geist eines kranken Siebzigjährigen so sehr, daß sie ihn – Pjotr Grigorenko, einst General der sowjetischen Armee – ausgebürgert haben, während er sich in den USA einer Operation unterzog. Dem weltberühmten Cellisten Rostropowitsch erging es inzwischen genauso. Die Dokumente, die beiden die Rückkehr verwehren, tragen, der Bedeutung entsprechend, die Unterschriften von Breschnjew und anderen Führern!

Die Ideen des Ukrainers Grigorenko, vor denen die große Sowjetunion offenbar zittern muß, kreisen um die Menschenrechte. Er, der nicht nur auf dem Schlachtfeld tapfer war und dadür hoch dekoriert wurde, besitzt die weit seltenere Gabe unerschütterlicher Zivilcourage. Er kämpfte für die Rechte der Krim-Tataren, er protestierte gegen den Einmarsch der sowjetischen Armee in Prag, er warnte vor der Wiedergeburt des Stalinismus. Nichts vermochte seinen ritterlichen Willen zu brechen, weder Gefängnis noch die psychiatrische Behandlung, der er zweimal ausgesetzt war – das zweite Mal fünf Jahre lang, von 1969 bis zu Nixons Besuch in Moskau 1974.

Er hat alles durchgemacht, er befand sich jahrelang in Einzelhaft und war mit tatsächlichen Wahnsinnigen zusammengesperrt, die ihn schlugen und bespuckten. Das Gutachten des Serbski-Instituts für Gerichtspsychiatrie: Er leide an „paranoiden Reformideen, die stabilen Charakter tragen...“ Reformen, eine Krankheit? Wie wohl das Ende eines solchen Systems sein wird? Dff.