Abweichende Schülermeinungen werden selten wirklich ernst genommen und häufig als unreif abgetan. Selbst in der Oberstufe gelingt es den wenigsten Lehrkräften, Schüler als Persönlichkeiten mit eigenen Vorstellungen zu akzeptieren. Der "frustrierte" Schüler verliert leicht das Interesse an Diskussionen, die doch nur in den vom Lehrer bestimmten Bahnen verlaufen. Hinzu kommt, daß Schüler mit abweichenden Auffassungen häufig Anfeindungen oder zumindest spöttischen Bemerkungen seitens der Lehrer ausgesetzt sind. Dies führt dann leicht zu einem gespannten Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Wolf gang Schulz, 18 Jahre

Wenn man seine abweichende Meinung in der Schule offen und bestimmt äußert, dann kann man den ganzen riesigen schulischen Machtapparat zu spüren bekommen. Das fängt in der alltäglichen Situation in der Klasse an: Der Lehrer darf sich als "Diktator im Klassenzimmer" aufspielen. Wenn ein Schüler in seinen Augen ein "Oppositioneller" ist, dann hat er ziemlich weitgehende Möglichkeiten, ihm den Unterricht zu vermiesen. Verteilt ein Schüler Flugblätter, die in der politischen Richtung nicht "stimmen", dann wird er eben zum Rektorat bestellt und heruntergeputzt. Also ist die abweichende Meinung in der Schule schon ein Risiko, aber es ist immer noch ein kleineres Übel als das, ein unkritischer und angepaßter "Untertan" zu werden.

Marianne Hägele, 18 Jahre

Wenn eine persönliche Entscheidung des Lehrers angezweifelt wird, unternimmt er anfänglich noch den Versuch, den Schüler durch seine Argumente, zu überzeugen. Gelingt ihm dies nicht, so versucht er mit allen Mitteln, die Diskussion zu unterbinden. Oft reicht die Zeit angeblich nicht, gelegentlich wird dann aber auch gesagt, daß man hier nicht zum Diskutieren sei und er jetzt nicht mehr mit dem Schüler darüber reden wolle. Auf diese Art und Weise gelingt es dem Lehrer nahezu immer, abweichende Meinungen unter den Tisch fallen zu lassen. Da die Lehrer nicht bereit sind, mit sich reden zu lassen, da sie anscheinend eine regelrechte Angst vor den Schülern haben, nehmen sie abweichende Meinungen als Angriff gegen ihre Person und wehren diese auch als solche ab. Für den Schüler ist dies nie von Nutzen, denn nicht selten wird er zur Rede gestellt, warum er sich "so unmöglich" benehme, oder "was’ denn in der letzten Zeit in ihn gefahren" sei. Es ist deshalb sicherer, zu schweigen, als sich mit dem Lehrer anzulegen.

Armin Falkenhein, 17 Jahre

Die abweichende Meinung ist ein Risiko, denn wenn man etwas Falsches sagt, wird man ausgelacht. Wenn man seine Meinung ausspricht, wird man vielleicht von den Schülern und von den Lehrern mißachtet. Das geschieht häufig, wenn die Mitschüler nicht die gleiche Meinung. haben. Man wird von der ganzen Klasse ausgestoßen, weil sich plötzlich alle zusammenschließen und gegen den Abweichler sind.