2000 Menschen in Sorge

Duisburg

Sie hungerten aus Protest gegen die geplante Zerstörung ihrer alten Wohnsiedlung. Leere Versprechungen der Politiker im Oktober konterten sie mit leeren Mägen. Der Hungerstreik, im Oktober vergangenen Jahres vor dem Hauptportal des Duisburger Rathauses zum erstenmal demonstriert, bleibt auch weiterhin eine Waffe der Bewohner der um die Jahrhundertwende erbauten Zechensiedlung „Rheinpreußen“ in Duisburg-Homberg.

Bevor sie diese Waffe von neuem anwendet, will die im Mai 1975 gegründete Bürgerinitiative dem drohenden Kahlschlag in der Siedlung mit neuen Vorschlägen und Initiativen begegnen. Um die 550 Rheinpreußen-Wohnungen zu erhalten (sie sind Bestandteil der Konkursmasse, die der Homberger Baulöwe Josef Kun hinterließ), verlangen die Bürger eine Übernahme der Siedlung in das Eigentum der Stadt oder einer Wohnungsgesellschaft.

„Die Siedlung muß aus dem Konkurs heraus“, lautete die einmütige Forderung auf einer Bürgerversammlung in der Ehrenschule, Schauplatz schon vieler Kundgebungen im Kampf gegen Abrißpläne, Planierraupen und Bagger. Obwohl die Gläubiger, die nach dem Sturz Josef Kuns von seinem wackeligen Kreditgerüst in Aktion traten, allen voran die Frankfurter BHF-Bank, für alle Zechenhäuser Abbruchanträge gestellt haben, konnte der 64jährige Stefan Lichtrauter, Senior der Bürgerinitiative, noch einmal versichern: „Vorerst darf kein Haus abgerissen werden.“ Aber die Bewohner wollen keine Gnadenfrist von vier bis fünf Jahren, sie wollen eine Dauerlösung.

Bereit zum Risiko

Um die Auseinandersetzung mit der Bankengruppe und dem Zwangsvollstrecker zu beenden, ist die Bürgerinitiative bereit, einen Teil des finanziellen Risikos zu übernehmen, das von der Stadt auf fünf Millionen Mark beziffert wurde. In einem Flugblatt appelliert sie an alle Nachbarn: „Wenn jetzt alle Bewohner bereit sind, im schlimmsten Fall 25 Mark mehr an Miete zu zahlen, würde das bedeuten, daß wir Bewohner die Hälfte des Risikos, also 2,5 Millionen Mark, selbst tragen würden.“