Einer der Verteidiger, der sich gegen das Gericht, die Zeugen und den gesamten Prozeß besonders hervortut, steht dem Lager der Rechten selber nahe – der Mannheimer Ludwig Bock. Er vertritt gelegentlich auch die National- und Soldatenzeitung sowie die "Deutsche Volksunion" von Gerhard Frey. Er Bezichtigte den Gutachter Wolfgang Scheffler der Voreingenommenheit, weil der Berliner Historiker bei einem jüdischen Wissenschaftler; promoviert hatte, und verlangte seine Ablösung durch den NPD-Politologen Udo Walendy. Er vertritt die Rechte der Angeklagten Lächert (der Mordbeihilfe in 1196 Fällen beschuldigt), die zu ihrer Entlastung nur vorgebracht hatte: "Ich konnte doch damals nicht anders."

Ludwig Bock war es auch gewesen, der die polnische Zeugin Henrica Ostrowski im Gerichtssaal wegen Mordbeihilfe verhaften lassen wollte. Sie hatte ausgesagt, daß sie in Maidanek die Büchsen mit dem Zyklon B zu den Gaskammern bringen mußte. Wie die Polen, die ihm kein Visum mehr ausstellen – er soll 1974 Zeugen mit Geld und Nahrungsmitteln bestochen haben –, so verweigern auch die Israelis dem Rechtsanwalt Bock die Einreise. Der Grund ist nicht seine Stellungnahme in einer Fernsehsendung der Londoner BBC, wo er Zweifel an der Existenz von Gaskammern geäußert hatte; es ist auch nicht sein Interview in dem Freyschen Hetzblatt über das "Mammut-Schaut’ribunal", diesen "anachronistischen Auswuchs einseitig antideutscher Vergangenheitsbewältigung".

Die Israelis beschuldigen Ludwig Bock, er habe sich als "Doktorand", der über den Massenmord in Maidanek Material sammele, bei israelischen Zeugen eingeschlichen. Das jedenfalls behauptet Maria Kaufmann-Krasowski aus Kfar-Sava, die sich an Hand von Porträtaufnahmen an den "netten, gutaussehenden, höflichen Mann" erinnern kann, dem sie sogar noch ein Glas Saft angeboten hätte, nachdem er sich bei ihr über die "blutige Bestie" Lächert erkundigt habe. Später wurde, wie schon in der polnischen Angelegenheit, ein Verfahren vor dem anwaltlichen Ehrengericht gegen den Privatermittler eingeleitet. Es wurde jedoch, wie schon das erste, niedergeschlagen. Solange die Zeugin Kaufmann-Krasowski in Düsseldorf aussagte, war Ludwig Bock nicht an seinem Platz neben seiner Mandantin.

Unbescholten, nach dem Gesetz, ist auch ein dritter Strafverteidiger, der jeweils aus Frankfurt anreist und in seiner schwarzen Robe den Saal 111 betritt: Hermann Stolting II. Er schleppt seine eigene, unrühmliche Geschichte mit sich herum, die er nicht los wird: Der ehemalige Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und hessische NPD-Landtagskandidat war während der NS-Zeit Staatsanwalt. Er fungierte als Ankläger beim Sondergericht in Bromberg, wo er für Schwarzschlachtung und Fahrraddiebstahl Todesurteile gegen Polen verlangte. Die Urteile wurden in seiner Gegenwart durch das Fallbeil vollstreckt.

Nach dem Kriege wurden Stoltings Anklagen als "objektiv rechtswidrig" eingestuft; er selber blieb unbehelligt, tat sich auf seine Art schon im Auschwitz-Prozeß hervor und übernahm in Düsseldorf das Mandat der Angeklagten Hermine Böttcher (der Mordbeihilfe in 200 Fällen beschuldigt).

Schlimm ist, was der NS-Anwalt Stolting getan hat; noch schlimmer freilich ist, daß er noch heute dazu steht: "Ich würde diese Todesurteile unter den damals gegebenen Umständen, wenn die heute wieder so wären, und bei den gleichen Gesetzen ebenso wieder beantragen."

Die meisten begreifen heute die NS-Prozesse nicht mehr, erst recht nicht diesen letzten großen Prozeß, der schon so lange dauert und der mindestens noch bis 1980 dauern wird, der soviel Geld kostet (30 000 Mark pro Verhandlungstag) und der soviel Umstände macht (Zeugen, die aus Polen und aus Österreich anreisen; Angeklagte und Verteidiger, die regelmäßig vom Bayerischen Wald und aus Niedersachsen nach Düsseldorf kommen; das Gericht, das nach Israel und nach Amerika fliegen muß),