"Eulerich und Miezekatz" von Edward Lear und Gwen Fulton; Verlag Sauerländer, Aarau/Frankfurt; 24 S., 12,80 DM.

Im erbsengrünen Boot fahren Eulerich und Katz dahin, wo der Bim-Baum wächst, lassen sich vom Puter trauen, verspeisen Quitten und tanzen im Strandsand bei Vollmond einen Hochzeitstanz. Edward Lear, Zeichenlehrer der Königin Viktoria, dessen Wortspiele und Limericks zum Faszinierendsten und Wundersamsten der Nonsense-Literatur gehören, bringt den Reisebericht der beiden ungewöhnlichen Hochzeiter auf jene bestürzend komische Kürze, die Witz und Reiz der Grotesken ausmachen. Guggenmos hat das Nonsense-Lied unprätentiös in eine schöne deutsche Fassung gebracht. Die junge schottische Illustration Owen Fulton versieht jedes Bild zu den einzelnen Versen, scheinbar harmlos, mit schillerndem Grund. Blatt für Blatt verleiht sie den fabulierten Gestalten und Landschaftsausschnitten einen winzigen Schimmer Schwermut, der spürbar macht, daß der Übermut, die virtuose Sprachgeste und der fröhliche Wahnwitz dieser Reime auf dem Hintergrund großer Traurigkeit eines einsamen Sonderlings entstanden sind, der tagelang nur die Decke anstarrte. Die schweigsamen Bilder teilen durch ihre hintergründige Stille auch etwas Unheimliches mit. Sie reduzieren Nonsense nicht auf den knalligen Spaß und treffen genau den Ton des Dichters, dessen Humor (so Enzensberger) "auf Gram gewachsen ist". Ute Blaich