Mit den DDR-Botschaftern im Clinch – Die deutschen Wirtschafts-Interessen stehen im Vordergrund

Von Nina Grunenberg

Einer der herausragenden Köpfe, die das Auswärtige Amt seit dem Kriege hervorgebracht hat, war Staatssekretär Paul Frank, heute in der gleichen Funktion beim Bundespräsidenten. Er beeindruckte Bonn nicht nur als kluger Denker in der Ära der Ostpolitik, sondern auch als ein entschiedener Vorgesetzter. Sein grober Ton konnte die allzeit auf Vorsicht bedachten Beamten im Auswärtigen Dienst in Angst und Schrecken versetzen. In die Annalen des Amtes eingegangen ist sein Wort: Der Gewissenskonflikt für einen Diplomaten entstehe erst, wenn er die Weisung habe zu schweigen, während "die Schreie der Gefolterten aus dem Keller schon bis ins vierte Stockwerk zu hören" seien.

Vor zehn Jahren leitete Paul Frank in Abidjan (Elfenbeinküste) eine Regionalkonferenz Bonner Botschafter Nach der Begrüßung gab er jedem Botschafter zwei Minuten Zeit, um zu begründen, warum er in Afrika auf Posten ist. Die Missionschefs waren perplex und begannen zu stottern wie ertappte Schuljungen. Am Ende meinte die überwältigende Mehrheit: "Wir sind hier, damit die DDR nicht anerkannt wird." Frank fragte zurück: "Nennen Sie das Afrika-Politik?"

Die Nichtanerkennungspolitik ist geben mankein Thema mehr. Aber noch heute geben manche Diplomaten freimütig zu, daß sie ihr insgeheim nachtrauern. Damals wußten sie, allem sie gebraucht wurden: um die DDR aus allem herauszuhalten. Darauf waren sie gedrillt. Die Aufgaben, die den Diplomaten der Bundesrepublik seitdem in Afrika oder in einem anderen nicht der Dritten Welt gestellt sind, lassen sich nicht mehr so einfach definieren – es sei denn, ein Beamter wird Botschafter in einer Konfliktzone, wo die alten deutschen Querelen noch nachzittern – wie Elmar Weindel in Maputo, dem ehemaligen Lourenço Marques, in Mosambik.

Maputo steht im Auswärtigen Amt als Nummer zwei auf der Liste der Härteposten. Nummer eins ist Hanoi. Der dortige Botschafter Peter Scholz fügte seinem Bericht nach Bonn unlängst eine Portion Rattendreck bei, um die mißlichen Umstände zu demonstrieren, unter denen seine drei Mitarbeiter und er in einem Hanoier Hotel leben und arbeiten.

In Maputo sind Wohnprobleme die geringste Sorge der acht Botschaftsangehörigen. Das diplomatische Corps lebt in den verlassenen Häusern der Portugiesen, genießt die Sonne und den leeren Strand und versucht jene geistigen Reserven in sich zu mobilisieren, die im Länderbericht für Mosambik – einer innerdienstlichen Gebrauchsanweisung, die es auf jedem Posten für die Neuankömmlinge gibt – als dringend notwendig bezeichnet werden. Da andere Abwechslung fehlt, müssen sich die Diplomaten mit sich selber beschäftigen können. Nicht einmal einen Portugiesisch-Lehrer dürfen sie sich nehmen. Die neuen Herren betrachten solchen Sprachunterricht als