Kann Amerika Moskau Paroli bieten?

Von Ulrich Schiller

Washington, im April

Die Palmenzweige, mit denen jubelnde Liberianer die lange Straße vom Flugplatz in die Hauptstadt Monrovia für Jimmy Carter verschönt hatten, waren beziehungsvoll. Der amerikanische Präsident war als Friedensapostel gekommen. Mit innen- und außenpolitischen Problemen reichlich beladen, hatte sich Carter auch noch auf den schwierigen Weg gemacht, ein Afrika schaffen zu helfen, "das in Frieden lebt, das frei von Kolonialismus, von Rassismus und vom militärischer Einmischung ist."

Diese Botschaft verkündete Carter in Liberia und vorher in Nigeria. Doch schon dort schlug ihm nicht nur Zustimmung, sondern auch Skepsis entgegen. Zweifel wurden laut, ob der Präsident lange zu der Formel stehen werde, auf die er die amerikanische Afrika-Politik verpflichtet hat. "Alles, was in den kommenden Tagen und Monaten gesagt wird, werden wir sorgfältig analysieren", erklärte der Generaldirektor des nigerianischen Instituts für Internationale Fragen.

Daheim in Washington schlugen währenddessen die vielgelesenen Kommentatoren Evans und Novak schon den Ton an, der die innenpolitische Kritik an Carter bestimmen wird. In der Washington Post beklagten sie, aus Furcht vor weiteren kubanischen Militäraktionen habe sich die Carter-Regierung in der Rhodesien-Frage auf die Seite der von der Sowjetunion versorgtenGuerillas geschlagen, anstatt den gemäßigten prowestlichen Kräften zu helfen.

Gewiß verschaffte es dem Präsidenten Befriedigung, der Nation am Ende des zweiten Teils seiner Weltreise berichten zu können: "Die Tage des Ugly American sind vorüber", doch dieser Wandel dringt der Nation nur sehr langsam ins Bewußtsein. Auf der anderen Seite wissen viele Amerikaner, daß die Rückzugsmöglichkeiten einer Großmacht aus politisch und strategisch wichtigen Positionen in Übersee begrenzt sind und daß die Notwendigkeit, Flagge zu zeigen, auch ihren Preis hat.