Amerikas oberste pesundheitswächter stehen vor einer kniffligen Frage, die ihnen der bald hundert Jahre alte Süßstoff Sacdiarin eingebrockt hat: Ist die kürzlich entdeckte Gefahr der Entstehung von Blasenkrebs durch Saccharin ernster zu nehmen als die drohende Ubergewichtigkeit, wenn alle Süßstoffkonsumenten wieder auf den kalorienreichen Zucker zurückgreifen müssen?

Derart verzwickte Fragen lassen sich heutzutage offenbar nicht mehr so einfach beantworten wie noch yor wenigen Jahren: 1969 wurde der Süßstoff Cyclamat noch ohne viel Aufhebens einfach verboten, als die bittere Nebenwirkung der Entstehung von IJlasenkrebs bekannt geworden war. Saccharin, der derzeit einzige erlaubte Süßstoff, hat freilich gute Chancen, in den USA einem Verbot zu entgehen. Das verdankt der populäre Süßstoff dem Fortschritt der Wissenschaft.

Die in den letzten Jahren in Mode gekommene Disziplin der Risiko Bewertung hat nämlich Methoden ausgearbeitet, die in Zukunft gestatten sollen, Risiken aller Art einigermaßen verläßlich abzuschätzen und gegeneinander aufzuwiegen. Durch möglichst exakte RisikoAnalysen können die Gefahren des Saccharins ebenso wie die der Kernenergie präzise in Ziffern und Zahlen angegeben und zudem mit anderen Risiken des täglichen Lebens verglichen werden. Entstanden und erstmals praktiziert wurde die wissenschaftliche Erfassung des Risikos in der Kerntechnik, dem wohl umstrittensten Bereich der modernen Technologie. Durch Risiko Analysen erhoffen sich Kerntechniker und Regierungsbehörden nicht nur eine bessere Einsicht in die Sicherheit und Störanfälligkeit der brisanten Atommeiler —, ein weiterer Zweck dieser Studien ist eher sozialtherapeutischer Art: Statt der ungefähren Angst vorm Atom soll die Diskussion auf eine vernünftige Basis gestellt werden, die schließlich einen Konsens der widerstreitenden Parteien herbeiführen könnte.

Derartige Verfahren der Risiko Analyse werden mittlerweile vor allem in angelsächsischen Ländern auch in vielen anderen Bereichen angewandt, wenn es uni die Beurteilung und Abwägung von Risiken und Gefahren der unterschiedlichsten Art geht:

Der Kernenergie vergleichbar ist die Risikoprpblematik beim Bau großer Staudämme, die beim Bersten ganze Landstriche verwüsten können.

Energäeerzeugung birgt auch dann. Risiken, wenn Kohle verfeuert wird; für ein faires Urteil über die Kernenergie wäre auch eine Abschätzung dieser Risiken erforderlich.

Beim Einsatz der Mammographie in der Krebsvorsorge gilt es abzuwägen zwischen dem Nutzen der Früherkennung und der erhöhten Strahlenbelastung bei der weiblichen Bevölkerung, die wiederum das Entstehen von Krebserkrankungen fördert.