Wer jetzt im Hochschwarzwald Urlaub macht, sollte sich ein kleines Naturwunder nicht entgehen lassen: den Eicheher See, der auf geheimnisvolle Weise verschwindet und immer wieder auftaucht. Im Augenblick ist er da.

So wie alle paar Jahre wieder meldete die Badische Zeitung am 3. März: Der Eichener See ist wieder da. Wo aber war er denn in der Zwischenzeit? Ein ordentlicher See ist immer da und macht keinen Urlaub.

Doch der Eichener See ist kein gewöhnlich stehendes Gewässer. Am Süd Westrand des Hochschwarzwaldes, dem Rheinknie bei Basel zu, schließt sich an das Urgestein des Schwarzwaldes jenseits der Wiese (das ist ein Fluß!) eine verkarstete, geologisch sehr komplizierte Muschelbank-Formation an, der sogenannte Dinkelberg. So ziemlich an seiner höchsten Stelle dieses stark verlehmten Karstgebirges liegt nahe dem Schopfheimer Stadtteil Eichen eine rund 25 Hektar große abflußlose Senke – normalerweise eine ganz gewöhnliche Wiese, um die ein seltsam gewundener Plattenweg herumführt, mit Bänkchen, Feuerstelle und Schutzhütte: Das Gebiet um das Naturphänomen Eichener See, steht seit 1942 unter Landschaftsschutz,

In manchen Jahren jedoch, so wie diesen März, steht diese Mulde ein paar Monate lang bis zu dreieinhalb Meter tief unter Wasser: Der Eichener See, im Höchstfall rund dreihundert Meter lang und etwa halb so breit, ist zurückgekehrt.

Der örtlichen Sage nach schloß vor langen Zeiten ein Bauer mit den Erdgeistern des Dinkelberges einen Vertrag: Die Unterirdischen sollten jederzeit für gute Bewässerung seiner Felder sorgen (was auf einem verkarsteten Kalkgebirge tatsächlich ein Problem ist), er werde dafür einem der ihren seine jüngste Tochter zur Frau geben. Dem Mädchen gefiel das jedoch nur so langem bis es sich in einen „oberirdischen“ jungen Mann verliebte und beschloß, mit ihm zu fliehen. Die betrogenen Geister ließen den Seezum erstenmal hervortreten, das Paar ertrank. Damit gegebene Versprechen auch eingehalten werden, So mahnt die Legende, erscheint der See seit jener Zeit immer wieder.

Erscheinen und Verschwinden des Sees in älterer Zeit sind nur schlecht dokumentiert. Chroniken berichten immerhin, daß im Jahr 1772 – je nach Quelle – vier oder fünf Manschen darin ertranken. 1876 und 1910 forderte der See nochmals Opfer, und 1866 ereignete sich während eines Volksfestes am See sogar ein Schiffbruch, als „Folge allgemeiner Lustbarkeit“.

Wer den See einmal sehen will, sollte die nächste Gelegenheit wahrnehmen – zumindest rät das Professor G. C. Fecht: Dieser Gelehrte befürchtete schon 1859, daß „die Erscheinungen des Wassers in neuerer Zeit in dem Grade seltener geworden sind, daß es allen Anschein hat, als würde der Kessel nach und nach ganz austrocknen“. Bis jetzt sieht es aber ganz und gar nicht danach aus.