Ging hinter mir nicht jemand? Da waren doch Schritte? Aber warum soll nachts immer irgend jemand hinter einem hergehen? ... Ich gehe nicht zu dicht an den Häusereingängen vorbei. Wie leicht könnte jemand aus einem Treppenhaus kommen und sich auf mich stürzen. Aber solange hätte niemand Lust, auf jemand zu warten, der zufällig vorbeikommt ... Ich schneide den Weg ab und gehe durch den Park. Da ist schon mal jemand ermordet worden, aber der Mörder lauerte nicht hinter einem Baum, er ging neben seinem Opfer her, die beiden kannten sich schon lange.

Am Ausgang des Parks wartet ein Streifenwagen. Jetzt werden die Polizisten denken, warum geht der denn mit einemmal so schnell, der ist im Park doch nicht so schnell gegangen. Sie hatten ja den Ausgang des Parks im Auge. Ich gehe wieder so wie bisher und drehe mich auch nicht um, aber der Streifenwagen kommthinterher: Ich grüße, und die wissen nicht, ob sie auch grüßen sollen. Sie grüßen nicht und fahren weiter. Ob sie weiter vorne warten werden?

Ich bleibe stehen. Da hat doch jemand geschrien. Und dann noch mal. Oder hatte ich mir das nur eingebildet? Ein Fenster wird geschlossen. Ich sehe nach oben. Da geht der Vorhang zu. Und irgendwas raschelt. Unter einem Reifen ist Zeitungspapier eingeklemmt. Ich könnte es da wegreißen, aber nachts stehen immer Leute am Fenster, um mal zu sehen, ob mit ihrem Wagen auch nichts passiert ist, die wachen auf und laufen zum Fenster und rufen gleich die Polizei.

Kommt auch noch ein Unfallwagen vorbei, aber ohne Blaulicht. Der Fahrer wirft eine Zigarette raus und sieht mich an und nickt. Der nickt; nicht mal nicken könnten die Polizisten. Und wenn man sich die Bürgersteige so ansieht, daß da nicht mehr Leute stolpern?... Ich gehe ganz vorsichtig, aber so kann ich nicht weitergehen, wenn das die Polizisten sehen würden. So geht man doch nicht nachts. Aber was geht es die denn an, wie ich gehe. Vielleicht gehe ich noch ganz woanders hin. Aber wohin bloß? Ich würde den Polizisten aber nicht sagen, daß ich noch ganz woanders hin will.

Und sollte mir jetzt einer von hinten kommen ... Ich bin doch auf alles gefaßt. Was heißt hier Würgegriff? Ich würde dem erst mal zwei weit hergeholte Rechte nacheinander ans Kinn oder auf die Ohren setzen, und dann nichts wie ran mit beiden Fäusten, immer gegen den Brustkorb. Den würde ich erleichtern, ihm die Luft raustrommeln.... Aber der kommt mit einem Haken durch. Ich liefere drei Stoppstöße gegen seine Nieren ab, und der will sich wieder mit Luft vollpumpen. Sein rechter Schwinger geht vorbei. Der nächste wird sitzen. Mein Kopf kippt auf die Schulter. Und die Fäuste prallen gegen meine Augenbrauen, eins, zwei, eins, zwei. Wie meine Gedanken faul werden. Ich hebe den Kopf und taumele. Aber dann stehe ich wieder gerade.

Der Streifenwagen stoppt. Endlich höre ich was. Die sagen: "Was machen Sie denn da?" Soll ich denen etwa sagen, daß ich schon wüßte, wie ich mich wehren würde, daß da jemand ist, der nachts Bescheid weiß und genug Erfahrungen hat, und nachts nichts anderes will als seine Ruhe? ... Es regnet auch, noch.

Ich stelle mich unter eine Markise. Da kommt jemand und stellt sich neben mich. Ich sage: "Warum gehen Sie nicht ein Stück weiter?" Der sagt aber nichts. Würde er ein Stück weitergehen, kriegte er was ab. Ich will doch mal sehen, wer als erster weitergeht. Er geht weiter. Ich gehe auch weiter. Ich gehe hinter ihm her. Ich gehe dann nach Hause. Und ich stelle mich ans Fenster.