Von Andreas Kohlschütter

Athen‚ im April

In Washington rührt und rüstet sich die Carter-Administration, um dem Kongreß die Aufhebung des 1975 erlassenen Waffenembargos gegen die Türkei nahezulegen. In Ankara glätten sich die in den letzten Wochen von Ministerpräsident Buelent Ecevit aufgepeitschten antiamerikanischen Wogen. In Athen dagegen braut sich ein amerikafeindlicher Entrüstungssturm zusammen, der Regierungschef Konstantin Karamanlis nach Rückkehr von seiner jüngsten Werbetour ins Gesicht schlagen wird.

Bis vor kurzem war das türkisch-amerikanische Verhältnis von einer schweren "Vertrauenskrise" geprägt, so Ecevit. Er drohte: "Die Türkei kann sich für ihre nationale Sicherheit nicht mehr auf die Nato und Amerika verlassen. Wir stehen auf der Schwelle neuer Entscheidungen." Und er begründete seine Entschlossenheit zum strategischen Kurswechsel mit dem Hinweis auf "einseitige, unausgewogene Belastungen", die der Türkei aus wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Gründen nicht länger zugemutet werden könnten.

Schon am Ende des Gipfeltreffens von Montreux Mitte März hatte Ecevit nach einem letzten Handschlag mit Karamanlis seine Faust geballt und zu einem unerwarteten Schlag gegen Washington ausgeholt. Er habe seinen Aufenthalt am Lac Leman zum guten Teil damit verbracht, sich mit der Carter-Administration und deren unerwünschter Einmischung in seine Zypern-Politik sowie seinen Dialog mit Karamanlis auseinanderzusetzen. Ecevit bezog sich auf eine Äußerung von Cyrus Vance. Der US-Außenminister habe vor einem Kongreßausschuß das aktive Eintreten des Weißen Hauses für die Aufhebung des Waffenembargos von den neuen türkischen Zypern-Vorschlägen und dem Ausgang des Gipfeltreffens abhängig gemacht.

Ecevit betrachtete diese angebliche Verquickung von Zypern-, Griechenland- und Embargopolitik durch Washington als einen Dolchstoß gegen seine engagierte Trennung dieser drei Bereiche. Er wandte sich gegen jede Internationalisierung des Zypernproblems und befürchtete, daß durch Vances Diktum die griechischen Zyprioten als Sperrminorität gestärkt und zur Ablehnung der türkischen Zypernpläne ermutigt würden, "ganz egal, wie vernünftig sie auch sein mögen". Verbittert und verbiestert verbat sich Ecevit solche Cartersche "Obstruktion", Diogenes zitierend forderte er den Präsidenten auf, ihm aus der Sonne zu gehen. Amerika sei in Zypern nicht Partei und habe dort nichts zu suchen. Ominös sprach er schon damals von einer vielseitigen "Revision unserer Politik", vor allem von einem Einfrieren seiner Zyperninitiative.

Jetzt tönt es anders. Jetzt verkündet der türkische Ministerpräsident den Anbruch einer neuen, "hoffnungsvollen Etappe" in den Beziehungen zwischen Ankara und Washington. Nach einem hektisch-diplomatischen Hin und Her scheint der Stein des Anstoßes beiseite geschoben und ein akzeptables Arrangement in Sicht zu sein. Der Anfang vom Ende des Waffenembargos, das der Kongreß der Türkei vor drei Jahren als Strafe für die mit amerikanischen Waffen durchgeführte Zyperninvasion auferlegte, ist gekommen. Ecevits Bazarpoker der vergangenen Wochen beginnt sich auszuzahlen.