Es gibt wenige Leute, die Deutschland so gut kennen wie der Amerikaner Shepard Stone. Genauer: Dr. phil. Stone, promoviert an Berlins Humboldt-Universität Anfang Januar 1933, vierzehn Tage vor Hitlers Machtergreifung; Dr. h. c. der Freien Universität; neuerdings Professor ehrenhalber ob "seiner Verdienste um Berlin".

"Shep" kam das erste Mal als junger Spund nach Berlin, ohne ein Wort Deutsch zu können (die Berlinerin Charlotte Hasenclever, heute seine Frau, brachte es ihm bald bei) und promovierte bei Hermann Oncken. Das zweite Mal kam er 1945 – als Vertreter der Besatzungsmacht, enger Ratgeber des US-Hochkommissars John McCloy. Damals half er bei der Gründung der Freien Universität. Es folgten fruchtbare Jahre bei der New York Times, bei der Ford-Stiftung, bei der Gesellschaft für die Freiheit der Kultur. Schließlich kehrte er – sein dritter Anfang in Deutschland – nach Berlin zurück, um einen Ableger des renommierten Aspen Institute for Humanistic Studies in Westberlin einzurichten.

Jetzt ist Shepard Stone 70 Jahre alt geworden. Keiner sieht es ihm, der sich durch Bäumefällen in Vermont junghält, auf Anhieb an. Er ist,was er immer war: ein großer geistiger Anreger, ein nimmermüder Intellektuellen-Impresario, ein Freund der Deutschen. Ohne ihn und seinesgleichen wäre unser Land heute nicht, was es ist. Th. S.