Führt die neue technische Revolution in eine soziale Katastrophe?

Von Michael Jungblut

Ein Gespenst geht um in deutschen Landen und verbreitet Furcht und Schrecken, das Gespenst der "technologischen Arbeitslosigkeit". Was lange als Garant steigenden Wohlstands galt und als "technischer Fortschritt" gepriesen wurde, muß sich nun immer häufiger gefallen lassen, daß sein Jahres Gesicht enthüllt" wird, damit es von jedermann als Arbeitsplatzkiller identifiziert werden kann: die Rationalisierung.

Nach Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin verschwinden in der Bundesrepublik jährlich rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze für immer, weil die Unternehmen technisch überholte Maschinen abmontieren und durch Anlagen ersetzen, mit deren Hilfe weniger Arbeitnehmer mehr produzieren.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit legte Berechnungen vor, wonach zwischen 1970 und 1975 in Industrie und Handwerk jährlich drei Prozent der Arbeitsplätze dem "technischen Wandel", zum Opfer gefallen sind – ein Prozeß, der sich nach Meinung vieler Beobachter seither eher beschleunigt als verlangsamt hat. –

Umfragen in der Industrie scheinen diese Sorge zu bestätigen. Wie das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ermittelte, dienten 1975 rund 46 Prozent aller industriellen Investitionen vor allem der Rationalisierung. Und auch 1976 und 1977 wurden von den meisten Unternehmen der Löwenanteil der jährlich investierten 34 Milliarden Mark dazu verwendet, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.

Den heute vor allem aus dem Gewerkschaftslager ertönenden Warnrufen vor einer überschwappenden Rationalisierungswelle, die Millionen von Arbeitsplätzen hinwegzuschwemmen drohe, scheint allerdings das Ergebnis einer anderen, ebenfalls von Ifo vorgelegten Studie zu widersprechen. Danach war zwar bis 1962 eine ständige Zunahme der Rationalisierungsinvestitionen zu beobachten, Seither stagniert jedoch ihr Anteil an den Gesamtinvestitionen. "Auch je Beschäftigten hat die Industrie in den letzten Jahren nur geringfügig mehr für Rationalisierung ausgegeben als bereits Mitte der sechziger Jahre. Gemessen am Umsatz bewegen sich die Rationalisierungsinvestitionen sogar fühlbar unter dem damaligen Niveau."