Dem 2 CV-Konstrukteur Citroën geht es nach der Zwangsfusion mit Peugeot blendend

Daß die Pariser Regierung der Privatindustrie Millionen- und Milliardenkredite gibt, ist nichts Außergewöhnliches. Daß sie das Geld schon nach wenigen Jahren zurückerhält, hat jedoch Seltenheitswert. Der Autobauer Citroën hat das rare Kunststück geschafft. Bereits nach drei Jahren wurde ein Staatskredit von einer Milliarde Francs zurückgezahlt und zugleich für 1977 ein Reingewinn von 360 Millionen Francs (1976: 298 Millionen) erwirtschaftet.

Die Erfolgszahlen sind das Ergebnis einer der meistdiskutierten Fusionen, die Frankreichs Industrie in den letzten Jahren erlebt hat. Nick erst seit der Öl- und Autokrise war Citroën ein krankes Unternehmen. Vor allem auf Grund einer lückenhaften Modellpolitik und schlechten Managements kam das technisch stets führende Unternehmen (Großaktionär: Reifenfabrikant François Michelin) nicht aus den roten Zahlen. Tausende von Arbeitern wurden entlassen, und im Herbst 1974 konnte der Zusammenbruch nur mit Mühe verhindert werden.

Immer wieder war davon die Rede, Michelin sei das Autoabenteuer leid und wolle verkaufen. Schon 1964 kam es zu einem Flirt mit Peugeot, einem gesunden Familienunternehmen. Doch damals spielte Michel in noch den starken Mann und blitzte ab. Dann wurden Bande mit dem Turiner Autoriesen Fiat angeknüpft. Doch auch diese Allianz brachte mehr Ärger als Erfolg und wurde im Juni 1973 in aller Stille aufgelöst. 1974 avancierte Peugeot erneut zum Heiratskandidaten, doch diesmals als Retter in höchster Not.

Mehrmals wurde die Hochzeit angekündigt. Doch der Freier aus der südostfranzösischen Stadt Sochaux zögerte. Der Erbauer des häßlichen Entchens, Frankreichs populärstem Auto, schien außer einem Berg von Schulden keine Mitgift in die problematische Ehe einzubringen. Zudem galt François Michelin als der böse Geist bei Citroën, den die Peugeot-Leute aus dem Handel herausdrängen wollten.

Im Dezember,-1974 schließlich spendete die französische Regierung die Mitgift von einer Milliarde Francs, um die ungleichen Partner zusammenzubringen. Die Kritik blieb nicht aus. Der Steuerzahler finanziere Michelins Halsstarrigkeit und Unfähigkeit, hieß es. Zudem werde dem Staatsbetrieb Renault durch solche Großzügigkeit zugunsten der Privatindustrie unnötige Konkurrenz geschaffen. Heute allerdings ist solche Kritik verstummt. Sogar die linke Presse spendet nachträglich Beifall für die Zwangsheirat.

Genaugenommen ist es aber gar keine Fusion, die zum Erfolg geführt hat. Beide Traditionsmarken werden weitergeführt, und die PSA Peugeot-Citroen ist lediglich eine Holding, die beiden Unternehmen eine relativ große Unabhängigkeit läßt. Aus Gründen des Markenimage wurden auch die bestehenden Kundendienst- und Absatznetze beibehalten. Die Besitzverhältnisse sind dagegen klar: Peugeot ist heute zu 90 Prozent Eigentümer des Citroen-Kapitals, François Michelin wurde dafür mit Peugeot-Anteilen entschädigt.