• Der Arbeitskampf in Ihrem Tarif – gebiet ist beendet. Wieder war Daimler-Benz mit am heftigsten betroffen. Können Sie den Schaden beziffern?

Zahn: Der Arbeitskampf ist leider! noch nicht beendet. Zwar ist ein Verhandlungsergebnis erzielt worden. Aber es wird ja noch bis zum Ende der Woche gestreikt. Auf diese Weise kommen wir auf fast vier Wochen Streik.

Zum Schaden: Bis zum Ende dieser Woche werden wir einen Produktionsausfall von über 25 000 Personenwagen haben (bei einem Gesamtvolumen, von 400 000 Autos im Jahr). Bei Nutzfahrzeugen liegt der Ausfall zwischen 9000 und 10 000 Stück. Der Umsatzverlust übersteigt mit Sicherheit eine Milliarde, wovon die Hälfte auf die Zulieferanten entfällt, die das zum Teil außerordentlich schwer trifft. Das, was also der Arbeitskampf Unternehmen und Mitarbeiter kostet, das ist auch für eine Gesellschaft wie Daimler-Benz erheblich.

  • Nun ist ja so ein Arbeitskampf nichts Verbotenes. Seine Zulässigkeit ist geradezu ein Erkennungsmerkmal für eine Demokratie. Auch die Arbeitgeberseite hat – durch Aussperrung – mitgekämpft. Hat sich für Sie der Kampf gelohnt?

Zahn: Es ist falsch, hier Streik und Aussperrung in einem Atemzug zu nennen. Kein Mensch auf der Arbeitgeberseite hat schließlich an eine Aussperrung zur Durchsetzung eigener Ziele gedacht. Die Aussperrung ist doch nichts anderes als die Antwort auf eine ganz besondere Form des Streiks: auf das Herausgreifen einiger weniger Betriebe, die so in der Tat wehrlos sind. Wenn ich in der ZEIT lese, da werden "Menschen als Mittel" mißbraucht (ZEIT Nr. 13), so ist das doch ein Rotkäppchenglaube. Hier geht es doch um die Auseinandersetzung zwischen Organisationen.

Ob sich der Kampf gelohnt hat? Er war einfach notwendig. Das Forderungspaket der IG Metall war in der ursprünglichen Form völlig unakzeptabel. Das, was jetzt erzielt ist, gibt zwar auch zu großen Sorgen Anlaß. Aber es sprengt nicht den Rahmen dessen, was in der Tarifautonomie möglich ist.

  • Gibt es aus dem Absicherungsvertrug – jetzt nur für die Autohersteller – überhaupt Probleme? Anders gefragt: Ist der Rationalisierungsspielraum für Ihre Branche noch so groß, daß von regelrechten technologischen Umwälzungen eines Tages die Rede sein wird?