Beachtlich

"Equus – Blinde Pferde" von Sidney Lumet. Ein Junge, von Pferden besessen, hat sich aus religiösen Phantasien und antiken Mysterien den Gott Equus geschaffen und huldigt ihm durch nächtlich-nackte, ekstatische Ausritte; verzweifelt über seine Impotenz, blendet er ein ganzes Gestüt. Sein Psychiater nimmt ihm das Pferde-Trauma, zweifelt aber an der schalen Normalität als einzigem Gegenpfand zu der orgiastischen Privatmystik seines Patienten. Das allzu redselige und modisch-prätentiöse gleichnamige Theaterstück von Peter Shaffer war ein Welterfolg, die überlange und etwas brave Verfilmung fesselt erst in der zweiten Stunde – vor allem durch die (schon bühnen-erprobte) Darstellung der zwei Hauptrollen durch Richard Burton und Peter Firth. Wolf Donner

Mittelmäßig

"Am Wendepunkt" von Herbert Ross. Die eine tanzt, die andere nicht. Und wenn nicht gerade getanzt wird (vorzüglich: Mikhail Baryshnikov) oder ein junges Paar sich im Stil eines opulenten Handlungsballetts liebt, dann absolvieren Shirley MacLaine und Anne Bancroft angeblich moderne Frauenthemen: midlife crisis, die Alternative Beruf oder Ehe, Mutter-Tochter-Konflikt, das Altern, Freundschaft, Feindschaft und Rivalität zweier Tänzerinnen. Von allem etwas. Das Modell ist auf Serie angelegt, wie vor Jahren die Männerfreundschafts-Filme. Mit Emanzipation hat das nichts zu tun, eher mit blumigem altem Hollywood. Und eben mit Ballett. Wolf Donner

"Der Clan" von Daniel Petrie. Ab und an macht jemand im unangebrachten Moment eine Schlafzimmertür auf. Das dort Gesehene ist der Motor dieser Verfilmung eines Beststellers ("The Betsy" in Original) von Harold Robbins, der auch als Produzent fungierte. Da es sich um die Familiensaga einer Automobil-Dynastie in Detroit handelt, scheint es ein passendes dramaturgisches Prinzip: Es gibt Frühstarts und Spätzündungen (die bis zu vier Jahrzehnten dauern) und ergo genügend Gelegenheit, den mit eiserner Faust regierenden Gründer (Laurence Olivier) in rekapitulierenden Rückblenden von den dreißiger Jahren (vierzig Jahre alt) bis zu den siebziger Jahren (86 Jahre) zu zeigen. Intrigen und Inzest, Homosexualität, heimliche Liebschaften, erbitterte Machtkämpfe, eine Love-Story und Mafia-Ambitionen: als gälte es, gleich ein Dutzend Fernsehserien zu einem grandiosen Trailer zu komprimieren.

Helmut W. Banz

"Der Querkopf" von Claude Zidi. Für einige treffende Parodien französischer Bürgerallüren und einige aberwitzige Gags ist Frankreichs Starkomiker Louis de Funès selbst in eher mittelmäßigen Filmen gut. So auch in dieser recht eindimensionalen Komödie des Unterhaltungs-Routiniers Claude Zidi ("Ein irrer Typ"), in der Funès einen größenwahnsinnigen Kleinkapitalisten und chauvinistischen Bürgermeister spielt, dessen betrieblicher Expansionsdrang selbst vor dem heimischen Schlafzimmer nicht haltmacht. Die gutmütige Ehefrau (Annie Girardot) flüchtet alsbald vor dem Maschinenpark im Ehegemach und als ihr Gemüsegärtchen im Abwasserschlamm versinkt, kandidiert sie sogar aufgebracht gegen ihren blind autoritär gestimmten Ehepartner. Doch solcherlei "progressive" Schlenleer dienen Zidi eher dazu, die brave Komödie über die allzu lange Strecke zu bringen: in die konservative Idylle. Bodo Fründt