Einer aus der vertraulichen Berlin-Runde beim Bundespräsidenten hat ausgeplaudert, daß die Subventionen für Berlin-Reisende per Flugzeug demnächst um etwa 50 Prozent erhöht werden. Diese Indiskretion ist gewiß nicht die feine Art gerade dieses exklusiven Zirkels, in dem sich fünf Abgeordnete aller Parteien, der Berlin-Bevollmächtigte Senator Korber, die Staatssekretäre Spangenberg und Frank nun schon seit einiger Zeit über die Zukunft der Berlin-Förderung Gedanken machen.

Die noch unentschiedene Frage, ob die Zuschüsse des Bundes für Berlin-Flüge, seit vielen Jahren konstant, nun auch den allgemeinen Preissteigerungen angepaßt werden sollten, ist aber nur ein Aspekt der gesamten Berlin-Förderung. Die alte Reichshauptstadt ist dem Bund schon immer eine finanzielle Messe wert gewesen. Rund zehn Milliarden Mark bekam Berlin im vergangenen Jahr. 20 Millionen Mark mehr oder weniger für Flugsubventionen sind da nicht der Rede wert.

Über das "Wie" der Förderung indes sollte allerdings gründlich nachgedacht werden. Vorab: Die Berlin-Flüge sind für die Fluggesellschaften bedrohlich zurückgegangen: Vom Höhepunkt in den Jahren 70/71 mit seinen sieben Millionen Fluggästen auf rund vier Millionen im vergangenen Jahr. Für den Steuerzahler hatte das den erfreulichen Aspekt, daß sich die Subventionen hierfür um die Hälfte reduzierten – von 80 auf 40 Millionen. Berlin hingegen hat das nicht geschadet. Die Stadt bekam sogar Auftrieb, wenn auch nicht durch Fluggäste. Schließlich ist die Autoreise Hannover–Berlin und zurück für zwei oder vier Personen allemal billiger als der mit 45 Mark subventionierte Flug, der auf dieser Strecke 127 Mark kostet – für eine Person.

Der Berliner Fremdenverkehrsverein verzeichnete im vergangenen Jahr einen Besucherzuwachs von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr, insgesamt waren es 1,1 Millionen. Dabei handelt es sich lediglich um die registrierten Besucher, um jene, die in Hotels übernachtet haben. Nach einem Schlüssel des DIW kommen noch 4,4 Millionen Besucher hinzu, die außerhalb der Hotels und sonstiger Herbergen Logis bezogen.

Wem sollte nun eine Erhöhung der Flugsubventionierung nutzen? Der ursprüngliche Zweck, dem politisch gefährdeten Personenkreis die Reise nach Berlin zu erleichtern, ist entfallen, das belegen die Zahlen. Wer Berlin einen noch größeren Besucherstrom bescheren will, wird über die beste Methode nachdenken müssen. Per Gießkanne jedem Fluggast nach Berlin einen Preisnachlaß zu gewähren, scheint jedenfalls kaum der rechte Weg. Geschäftsreisende beispielsweise schielen ohnedies nur selten auf den Preis. Der Flug wird ja von der Steuer abgesetzt. Die vierköpfige Familie zu einem Weltstadt-Trip nach Berlin zu bewegen, indem man den Flug Bonn–Berlin mit 50 statt mit bisher 34 Mark subventioniert, kann bei dem jetzigen Flugpreis von 288 Mark (bei erhöhter Subvention 272 Mark) kaum ein Anreiz sein.

Ein Anreiz könnte bestenfalls eine drastische Senkung der Preise sein – etwa für Familien- oder Wochenendausflüge. Denkbar wäre auch, daß für bestimmte, besonders weite Flugstrecken – etwa Stuttgart–Berlin – höhere Zuschüsse gewährt werden als für kurze Routen wie Hamburg–Berlin. Wer von Stuttgart aus per Auto oder Bahn an die Spree reisen will, braucht weit mehr Zeit als der Berlinreisende aus Hannover. Würde der Flug sich auf dieser Strecke erheblich verbilligen, könnte sich das für Berlin auszahlen.

Die gezielte Subvention von Berlin-Reisen per Bahn wäre ebenfalls ein Weg, den Berlinern Gutes zu tun. Und warum sollte eigentlich nicht auch ein Berlin-Benzin-Gutschein für manch einen Autofahrer Verlockung genug sein, die Familie ins Auto zu packen, um für ein paar Tage mit Kind und Kegel den Kuhdamm auf und ab zu flanieren. Wenn die Subventionen für Berlin einen Sinn haben sollen, muß sichergestellt werden, daß sie wirklich zu einem höheren Verkehrsaufkommen führen. Daß sich Fluggesellschaften damit goldene Nasen verdienen, ohne daß auch nur ein Bundesbürger öfter als bisher nach Berlin fliegt, wäre alles andere als eine wünschenswerte Berlin-Förderung.

Wolfgang Hoffmann