Paris startet eine Werbekampagne für seinen Tierfriedhof

Paris

So treu und vielleicht besser als wir, wir haben dich töten müssen, weil du, alt und krank, littest, und wir mit dir. Verzeih uns! Unser Leid ist grenzenlos! Wir vergessen dich nie." Die in den Grabstein gemeißelte Schrift ist klein und schnörkelig. Geranien rechts und links des Steins, ein Immergrün aus Plastik. "Hier ruht Yupi – 2. 4. 1957–15. 8. 1977."

Hinter dem schmiedeeisernen Portal der Nr. 4, Pont de Clichy, ruhen unter Trauerweiden und Linden, zwischen Efeu und verblichenen Kunststoffblumen etwa zweitausend Tiere: Hund und Katze, Meerschweinchen undPapagei, Schildkröte und Zierfisch, Auf dem "Cimetière pour chiens et autres animaux domestiques", dem Tierfriedhof Asnières im Pariser Norden, zeugt Eingraviertes von Zuneigung und Liebe. Politiker und Diplomaten, einsame alte Menschen und sentimentale Großstadtherzen und selbst Prinzessin Elisabeth von Rumänien schworen ihren Tieren ewige Dankbarkeit: "Drac – 1941–1953. Treuer Kamerad während tragischer Stunden, wertvoller Freund im Exil." Frankreichs Komponist Saint-Saens begrub seinen Hund in Asnières, Raymond Queneau und Henry Bataille standen hier am Grabe, und Sully Prudhomme legte seine Lieblingskatze neben den Marokkanerkater Rocheforts – das Tier war aus Gram über den Tod des Publizisten gestorben.

Nun aber ist der einzige Friedhof für Tiere in Frankreichs Hauptstadt in eine "derartige Finanzkrise geraten, daß, so die Verwaltung, "ein Bankrott nicht auszuschließen ist" – trotz schätzungsweise einer Million Hunde, noch mehr Katzen und einer Menge unzähligen Kleinviehs, das täglich auf den Bürgersteigen der Seine-Metropole 600 Tonnen Kot verteilt. Von den insgesamt 3000 Grabstätten sind ständig rund 1000 unbesetzt, "da kommt einfach niemand". Retter in der Not soll eine Werbekampagne sein, die Pariser Tierhalter auf den "romantischen Garten, wo Ihr Tier unter seinesgleichen ruht", aufmerksam macht.

Als 1899 der erste Friedhofsstein gelegt wurde, ging es den Gründern nicht nur um Liebe zum Tier und würdevolle Bestattung, sondern in erster Linie um Hygiene: abgesehen von Abdeckerei und Gartenloch gab es in ganz Paris keine Möglichkeit, sich seines toten Katers oder Pudels zu entledigen. Die meisten der Kadaver wurden deshalb der Müllabfuhr anvertraut, für ein paar Francs und das Versprechen, zu schweigen: denn den Männern vom Müll war es strikt untersagt, die Tierleichen auf die Abfallhalden zu werfen. Aus Furcht, dabei entdeckt zu werden, verschwand darum der größte Teil der Kadaver heimlich in den Tiefen der Stadtgräben oder in der Seine. Wasser und Luft wurden verpestet, und die Stadt mußte die Überreste aus dem Fluß fischen lassen, mit viel Aufwand, für viel Geld.

Aber ein Tier zu Grabe tragen kostet eben auch viel Geld. Der Preis für ein Erdloch richtet sich nach der Größe des Tieres und der Lage des Grabes: Einhundertsiebzig Mark rechts und links des Mittelweges, zu den Seiten hin wird es billiger. Die Beerdigung ("Sie vollzieht sich in aller Stille, meistens will die Person ganz allein sein und das Grab selbst zuschütten") kostet fünfzig Mark. Wer einen Stein setzen will, muß bis zu vierhundert Mark zahlen.