Von Gabriel Laub

Ich habe mir die Überschrift für diese wissenschaftliche Vor- und Ausführung vondem in München lebenden Zeichner Bohumil Stepan ausgeliehen, der seinerzeit viele ähnliche Objekte schuf und sie in einem Buch veröffentlichte. Denn Carelman scheint die Bedeutung seiner Erfindungen zu verkennen und bezeichnet sie lediglich als "unauffindbare Objekte". Sie sind aber für unsere Gesellschaft höchst nützlich, – ja unentbehrlich. Mit Aufwand und Liebe erfundene und hergestellte Gegenstände, die keinem reellen Zweck dienen können, sind nicht nur das Symbol unserer Zeit, sondern auch unsere Stütze ja Rettung.

Wir tun ja alles, um uns von jeder Anstrengung zu befreien, vor allem, wenn sie den Charakter einer Arbeit hat. Selbst fürs Brotschneiden und fürs Zähneputzen haben wir elektrische Geräte. Und das ist nicht das letzte Wort der Technik – wir müssen noch immer die Zahnbürste oder das elektrische Messer eigenhändig einschalten und dann halten. Aber keine Sorge – die Technik wird mit der Zeit auch diese letzten Reste der physischen Anstrengung abschaffen.

Die Abschaffung der Arbeit ist ein uralter Traum der Menschheit, vor allem ihres arbeitenden Teils. Das ist verständlich. Aber im Traum – das ist seine legitime Eigenschaft – denkt man nicht ganz logisch und nicht ganz zu Ende. Wenn man erwacht, zeigt sich dann zum Beispiel, daß wir mit der freien Zeit und dem von der Arbeit befreiten Teil unseres Ichs nichts anzufangen wissen. Es ist eine schwere Arbeit, sich eine Beschäftigung auszudenken und sie so auszuführen, daß sie nicht wieder in Arbeit ausartet. Siehe die typischste Freizeitbeschäftigung – Sport ,–die für viele sehr schnell zur schweren Berufsarbeit geworden ist. Die Arbeitsabschaffer geben freilich nicht nach – sie schaffen auch für diese neuen Arbeitsarten Abhilfe. Viele Arten von Sport kann man schon mit Hilfe von Geräten ausüben: Tennis am Fernsehschirm, Autorennen am Simulator. Daß die Sportler noch nicht ganz auf Geräte umgesattelt haben, verdanken wir einzig und allein der Tatsache, daß Sport ein Teil des Showbusiness ist. Sonst wäre durchaus möglich, sagen wir, die Marathonläufer an Meßgeräte anzuschließen, und der Computer könnte in Sekundenschnelle ausrechnen, welcher die beste Kondition hat. Vielleicht wollen aber auch die Sportler nicht auf ihren Zeitvertreib verzichten, weil sie nicht wissen, was sie mit der nichtvertriebenen Zeit tun sollen.

Die Vertreibung der Arbeit ist allerdings nicht perfekt. Man jagt sie durch die Tür hinaus und sie kommt durchs Fenster zurück: Man muß nämlich die arbeitsparenden Gerate und Maschinen-herstellen, was wiederum Arbeit schafft. Es ist also noch keine Abschaffung der Arbeit, sondern Verschiebung, Umverteilung derselben. Was wiederum gut ist.

Die Menschheit hat ja Jahrtausende Erfahrung mit der Arbeitsteilung, und ist dennoch zu keiner, gerechten Lösung gekommen. Um so. Schwerer ist es, das Nichtstun gerecht zu verteilen – da fehlt die Tradition gänzlich. Das gut bezahlte oder auf eine andere Art gut gepolsterte Nichtstun ist ein Privileg von gewissen Minderheiten. Wer nicht arbeitet und trotzdem Geld hat, ist einPrivilegierter. Wer nicht arbeitet und kein Geld hat, ist ein Arbeitsloser und kein Privilegierter.

Das Ziel ist, die Arbeit abzuschaffen, ohne Arbeitslose zu produzieren. Solange die gerechte Verteilung des gutbezahlten Nichtstuns nicht bewerkstelligt ist, kann man die Arbeit nicht abschaffen. Da sehe ich die vielfache Nützlichkeit der nutzlosen Erfindungen. Sie verschaffen Beschäftigung, tun aber keine wirkliche Arbeit. Da das Unnütze keine Grenzen hat, kann man damit alle beschäftigen, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit tun sollen. Man kann die Herstellung solcher Gegenstände als Hobby bezeichnen – also den Prozeß der Befreiung von der Arbeit etweitern – und trotzdem neue Arbeitsplätze schaffen.