ZDF, Montag, 10, April, 21.20 Uhr: "Die beiden Freundinnen", Dokumentarspiel von Knut Boeser nach Alfred Döblin

Man fuhr nach Santa Monica hinaus; das lag am Meer, es war eine herrliche Gartenstadt, wo einige unserer Freunde wohnten, Oft lagerte man sonntags an der Beach, im heißen Sand, so Tausende kamen, nicht nur sonntags, badeten, unterhielten sich mit Wasserspielen, setzten sich in die Cafés und Erfrischungslokale, Händler zogen über den Strand und boten feil: Hot dogs und Doughnuts. Reiter entfernt lag Pacific-Palisades."

Alfred Döblin (1878–1957) war 55 Jahre alt, als er 1933 Deutschland verließ. Mit 62 Jahren verließ er Paris, begab sich auf die Flucht durch Frankreich und kam mit seiner Frau und dem jüngsten Sohn über Spanien und Portugal nach Amerika.

"Ich erinnere mich nicht", schrieb Döblin in seinem Bericht und Bekenntnis "Schicksalsreise", "je zu irgendeiner Zeit meines Lebens so wenig ,ich‘ gewesen zu sein. Ich war weder ‚ich‘ in den Handlungen (meist hatte man nicht zu handeln, man wurde getrieben oder blieb liegen), noch war meine Art zu denken und zu fühlen die alte (...)

Ich hatte während dieser Wochen die Gewißheit, sehr wichtige Dinge zu erfahren – wider meinen Willen – und eine Einsicht zu erlangen, die über meiner gewöhnlichen lag."

"Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord" erschien erstmals 1924, in der Reihe "Außenseiter der Gesellschaft. Die Verbrechen der Gegenwart". Die schmale Schrift von 97 großbedruckten Seiten, die das ZDF ausgewalzt hat zu einem Film von 108 Minuten, ist das Psychogramm zweier Frauen, denen ihre widerlichen Ehemänner unerträglich werden, so daß sie beschließen, einen von ihnen, den schlimmsten, umzubringen. Der Fall war authentisch.

Das ZDF hat den Giftmord aus dem Titel getilgt. "Vielleicht", befürchtet der Redakteur, "ist der Titel jetzt zu harmlos." "Aber", fügt er entschuldigend hinzu, denn es sind Public-Relations-getrimmte Presse-Vertreter, die er anspricht, "auch das Harmlose ist Spekulation." Selbstverständlich. Und das betrifft nicht nur den Titel. Der Drehbuchautor, danach gefragt, was er dem Döblin-Text hinzugedichtet hätte, gibt die richtige, wenngleich überraschende Antwort: "Alles." "Leider", erklärt er beschwichtigend, "gibt es beim Fernsehen dafür immer noch keinen Bonus." Beschwichtigend. Denn der Bearbeiter weiß, was er angerichtet hat und hält sich zugute, daß er dafür wenigstens schlecht bezahlt worden ist. Er hat die literarische Vorlage, die der Befund ist über die Motive der Töterinnen, ins Gegenteil verkehrt.