Vera und Bill Cleaver: "Ich wäre lieber eine Rübe"; Georg Bitter Verlag, Recklinghausen; 128 S., 15,80 DM

Annie Jelks, zwölf Jahre alt, konservativ, untolerant und auf ihren guten Ruf bedacht, fühlt sich, als der achtjährige uneheliche Sohn ihrer Schwester zu ihnen zieht, von allen im Stich gelassen. Der fast gleichaltrige Neffe entpuppt sich zu allem Übel als ein Ausbund an Gelehrsamkeit, ein bücherfressendes, bildungsfanatisches, frühreifes und überaus musterhaftes Kind. Am meisten aber reizt es Annie, daß er dabei nett und vernünftig ist, zu ihr aufschaut und sie offensichtlich gern mag. Sie versucht zu fliehen, kommt aber bald zurück, will abwechselnd eine bedeutende Pianistin oder eine berühmte Autorin werden. Mehr und mehr arrangiert sie’sich mit dem Neffen, und am Ende rettet, sie ihm sogar noch das Leben. – Das amerikanische Autorenpaar zeigt auch mit diesem Buch seine Fähigkeit, sich in die komplizierte Welt pubertierender Jugendlicher hineinzuversetzen. Ein nachdenkliches, manchmal heiteres Buch, das die Probleme nicht verniedlicht und dem Leser Möglichkeiten zur Identifikation bietet. Es zeigt aber auch, daß man sich von Vorurteilen lösen muß, daß es wichtig ist, mehr über diese Welt zu wissen und zu erfahren, um toleranter miteinander leben zu können. C. S.