"Emilie Meier — Lieber sich gesund schimpen als krank heulen Wer kann heute noch ichtig schimpfen? Nicht bloß nörgeln oder mekiern, sondern laut und kräftig seine Meinung agen, auch wenn es den ändern nicht paßt, itöilie Sleier kanns und was noch seltener ist: ie traut sich auch. So ist das schmale Photobuch ron Süatfne Klippel mit den handfesten Auspriichen< dieser zornigen Alten ein scharf gevürzter Text- und Bildgenuß, bei dem, wer anlerer Meinung ist als diese streitbare Rentnerin ms Hafldschuhsheim, sich tüchtig ärgern, wer Reicher Meinung ist, sich tüchtig freuen kann. Susanne Klippel war siebzehn und Schülerin als ie zum erstenmal mit der damals schon fast siebägjährigen Emilie Meier zusammentraf. Es war Sympathie auf den ersten Blick. Die ehemalige Dienstmagd und Landarbeiterin, die so herrlich chimpfen konnte auf alle Mißstände unserer iert Susanne Klippel was ihr an dieser noch rnmer jungen Alten so gefällt: daß sie nicht , chweigt, nicht Ruhe gibt, sich nicht abfindet nit vergangenem und gegenwärtigem Unrecht. amit hat sich Emilie Meier mehr Feinde als Preunde gemacht. Einige ihrer Nachbarn haben dje Hex" auch schon in eine Nervenheilanstalt >rinäen lassen. Andere Handschuhsheimer Bür;er haben sich öffentlich für diese widerspenstige Alte eingesetzt und so ist Emilie Meier längst nieder daheim in ihrem kleinen Häuschen und ichijhpft, damit sie nicht heulen muß: "Wege :ographiert von Susanne Klippel; Frauenbuchrerlag, München, 1977; 60 S, 9 80 DM ) "Die Kunst des Jodeins", voa Ludwig Merkle. 5o kennts der preußische Tourist: Ohne Text, iber mit viel Temperament trällern bayerische Frachtler ihr mehrfaches Hollaro i di in den K ursaal. Doch außerhalb des weiß blauen Freistaates wird ebenfalls tüchtig gejodelt, im Wilden Westen etwa oder bei den Pygmäen. Diese Musikalische Form kann nicht als SepplhosenFolklore abgetan werden Selbst ein passender 3oethe Spruch findet sich; 1828 schrieb der Dichterfürst an den befreundeten Komponisten ECarl Friedrich Zelter: "Es sind wieder Tyroler Wer; ich will mir doch jene Lieder vorsingen lassen, obgleich ich das beliebte Jodeln nur im Preyen oder in großen Räumen erträglich finde " Ludwig Merkle, Verfasser dieser hübsch illustrierten "Alpenländischen Jodelschule", ergänzt Soethe und nennt dem Leser weitere Trainingssrte. Im leerstehenden Büro oder in der sich noch üllenden Badewanne läßt sichs beispielsweise trefflich üben: das plötzliche öffnen der Stimmsänder, um den charakteristischen Jodelschlag zu srzeugen. Das nötige theoretische Wissen hierzu vermitteln zwölf Lektionen und einige Zusatzkapitel, in denen man volkskundliche und historische Informationen erhält. Außerdem steckt in ien Umschlagtaschen jeweils eine Schallplatte, besungen von dem Meisterjodler Gustl Thoma. [Heimeran Verlag, München, 1977; 91 S , 26 — DM ) Werner Hornttng