Berlin

Dreimal war Ingrid P. aus Berlin verheiratet, dreimal ist sie Mutter, geworden. Doch nicht immer sind aller guten Dinge drei. Ihr erster Mann hat sie oft geschlagen und vergewaltigt, sie ließ sich scheiden. Der zweite war ein Trinker und setzte seinem Leben selbst ein Ende. Der dritte war homosexuell. Als das jüngste ihrer Kinder geboren war, ließ sich Ingrid P. sterilisieren. Heute ist sie im sechsten Monat schwanger. Die Ärzte sagen, daß das auch nach einer Sterilisation vorkommen kann.

Ingrid P. will nicht mehr heiraten, aber sie will das Kind. Sie weiß, daß sie als ledige Mutter vor dem Gesetz die gleichen Rechte hat wie die Mutter, die verheiratet ist. Sie will eine größere Wohnung, will das Kind nicht in die beengten augenblicklichen Wohnverhältnisse hineingebären: In einem der Kinderzimmer sind 1,9 Quadratmeter unverstellt, im anderen sind es ganze 0,5 Quadratmeter. "Mein Kind hat nicht nur ein Recht auf Leben, sondern auch ein Recht auf ein eigenes Zimmer", sagt Ingrid P.

Die Beratungsstelle § 218 vom zuständigen Bezirksamt gab ihr recht und ein Schreiben ans Wohnungsamt mit der Bitte, man möge ihr einen Wohnberechtigungsschein mit erhöhter Dringlichkeit geben. Auf dem Wohnungsamt aber fand man die Dringlichkeit nicht gegeben. Ingrid P. berief sich beim Bundesministerium für Familie, Jugend und Gesundheit auf eine Broschüre, in der steht, daß jedes Kind sein eigenes Zimmer haben sollte, und auf eine andere, in der es heißt, daß jede werdende Mutter ein Recht auf Hilfe hat. Ihre Bitte nach einer größeren Wohnung aber blieb unerfüllt. Sie ging zur CDU-Fraktion im Rathaus Schöneberg, dachte, daß man ihr dort vielleicht helfen würde. Man riet ihr, doch abtreiben zu lassen. Da war sie im fünften Monat.

"Überall sagen sie entweder: Warum heiraten Sie nicht? Oder: Sie können doch abtreiben lassen! Das ist, als ob man dafür bestraft wird, daß man nicht abtreiben lassen will..."Eine Sozialarbeiterin vom Sozialamt hatte zu ihr gesagt: "Na, hoffentlich wissen Sie wenigstens, wer der Vater ist!" Sie weiß es. Der Vater bekennt sieht zu dem Kind. Als er die Vaterschaft anerkennet lassen wollte, wurde ihm sowohl vom Arzt als auch von der Behörde davon abgeraten: Er könne die Vaterschaft später dann nicht mein anfechten.

"Es ist nicht nur so, daß man als ledige Mutter; offenbar nicht die gleichen Rechte hat wie als verheiratete, man fühlt sich auch dauernd diffamiert", sagt Ingrid P. So hat ihr eine Sozialarbeiterin sogar die von ihr gewählte Art der Empfängnisverhütung vorgeworfen: "Warum müssen Sie sich auch sterilisieren lassen! Können; Sie nicht die Pille nehmen wie jede anständige Frau?" Marlies Menge