Ausstellung: "Sammlung von Hirsch" in Frankfurt

Von Helmut Schneider

Im Frankfurter Städel wurde ein großer Saal ausgeräumt, die Bilder wanderten ins Depot. An den Wänden hängen jetzt Zeichnungen und Gemälde aus der Sammlung Robert von Hirsch. Bei der Ausstellungseröffnung drängten sich die Besucher vor diesen Meisterwerken und anderen, die in Vitrinen zu sehen sind, Kleinplastiken, Elfenbeine, Emailarbeiten. Frankfurts Kunstfreunde waren gekommen, um zu bewundern, was das Städelsche Kunstinstitut und die Museen am Schaumainkai insgesamt verloren haben –

Für wenige Wochen sind die zum Teil singulären, weltberühmten Kunstobjekte wieder in der Stadt zu Besuch, in der sie einst zu Hause waren, bis zum Frühjahr 1933. Damals hatte Robert von Hirsch, das Heraufdämmern der nazistischen Barbarei frühzeitig ahnend, seine Heimatstadt verlassen, noch als freier Mann und mit seiner Sammlung – "Das Urteil des Paris" von Lukas Cranach ausgenommen: Mit dem Gemälde bezahlte er die erpresserisch geforderte Mautgebühr für den Durchlaß ins rettende Basler Exil. Bis zu seinem Tode im November vergangenen Jahres hat er deutschen Boden nicht mehr betreten, hat er auch wichtigen Ausstellungen hierzulande, für die Werke aus seinem Besitz; notwendig gewesen wären, Leihgaben verweigert. Und er hat die Absicht, wenn nicht die ganze Sammlung, so doch wichtige Teile daraus den Museen Frankfurts zu vermachen, widerrufen. Die Sammlung Robert von Hirschs wird Ende Juni bei Sotheby’s in London versteigert Verden.

Die triumphale Rückkehr erlesener Stücke, die im Hinblick auf eine sinnvolle Ergänzung der Frankfurter Bestände erworben worden sind, ist somit ein letztlich deprimierendes Ereignis. Robert von Hirsch hat – und das war durchaus ungewöhnlich – in engem Kontakt, in Abstimmung, gelegentlich in genauer Absprache mit Georg Swarzenski, dem Direktor des Städel, und mit Edmund Schilling, dem Leiter des Kupferstichkabinetts, auf das Museum zu gesammelt. Seine private Sammlung und der öffentliche Besitz waren ineinander verzahnt: Das Grubenschmelzmedaillon mit der Personifikation der "Operatio" (von Hirsch) und das mit der Personifikation der "Fides" (Museum für Kunsthandwerk) sind Gegenstücke, die beiden einzigen erhaltenen Teile des Retabels des Hl. Remaklus in Stavelot, bedeutende Arbeiten der maasländischen Goldschmiede- und Emailkunst um 1150. Bei der Versteigerung der Sigmaringer Sammlung 1926 hat das Museum das eine Objekt gekauft, der Sammler das andere und eine Armilla, den Armschmuck, vielleicht vom Krönungsgewand Kaiser Friedrich Barbarossas, noch dazu. Auch diese Armilla ist eine Zimelie der Kunst der Stauferzeit – das Gegenstück hierzu, den Schmuck des anderen Armes, besitzt der Louvre, der sich seit Jahrzehnten bemühte, vom Sammler ein Vorkaufsrecht zu erhalten.

Bereits in den zwanziger Jahren hat der Sammler dem Kunsthandwerkmuseum einen Wandteppich geschenkt, eine mittelrheinische Arbeit, aus dem frühen 15. Jahrhundert, mit Darstellungen von Minne- und Troubadourszenen. Zweifellos sollten die Teile eines elfenbeinernen Kästchens mit verwandten Darstellungen, entstanden in Frankreich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, zu dem Wandteppich hinzukommen. Eine Auswahl wichtigen mittelalterlichen Kunstgewerbes – Aquamanilien, Leuchter, Elfenbeine – die das Museum aus Anlaß der Ausstellung der Sammlung von Hirsch zeigt, macht überhaupt deutlich, daß die Bestände sich geradezu wie maßgeschneidert ergänzt hätten. Für die Ausstellung im Städel haben die Frankfurter Museen einhundertundfünfzig Objekte ausgesucht, ein Viertel etwa des Vorhandenen, die Spitzenwerke der Sammlung: