Von Wil Tondok

In der Zeit der Campingausstellungen finden, jetzt viele Urlaubsplaner, die bisher ihre Ferien in "festen" Hotels oder Pensionen verbrachten, Geschmack an einer eigenen, mobilen Ferienwohnung. Oder Caravan-Besitzer spielen mit der Idee, auf das schnellere und wendigere Reisemobil umzusteigen. Bei allen solchen Plänen sind viele Argumente für und wider zu berücksichtigen. Wer von Hotel auf Caravan oder Reisemobil umsteigen will, muß zuerst prüfen, ob er sich überhaupt auf Campingplätzen wohl fühlt. Auch sollte man bei den ersten Gedanken an ein eigenes Urlaubsheim – einerlei ob Caravan oder Reisemobil – eine nüchterne kaufmännische Überlegung anstellen, ob das Hotel am Urlaubsort nicht doch preiswerter ist. Denn zu den Anschaffungskosten gesellen sich – ganz abgesehen von Steuern, Versicherung und höherem Kraftstoffverbrauch – Campingplatzgebühren, die nicht unbeträchtlich sind: Eine Familie mit zwei Kindern muß mit 10 bis 15 Mark pro Nacht auf deutschen Campingplätzen rechnen.

Diese nicht unbeträchtlichen finanziellen Aufwendungen sollten an erster Stelle in den Entscheidungsprozeß für oder gegen ein eigenes Urlaubsdomizil einfließen. Aber es kommen noch ein paar – sagen wir: menschliche – Aspekte hinzu. Im Hotel kümmert sich ein Zimmermädchen ums Sauber- und Bettenmachen. Frühstück, Mittag- und Abendessen belasten zwar den Urlaubsetat weit mehr als bei der Selbstverpflegung, jedoch ist die Familie von diesen lästigen Verpflichtungen befreit. Denn beim Camping ist es nicht allein damit getan, schnell ein Ei in die Pfanne zu hauen. Das leidige Einkaufen ist meist zeitaufwendiger als zu Hause, es kann einen Urlaubstag arg zerreißen. Auch sollte man bei seinen Überlegungen nicht unberücksichtigt lassen, daß Europas Campingplätze so eng geworden sind, daß während der Hauptsaison die dünnen Blechwände der Wohnungen schon fast aneinander scheuern. An den Lebensäußerungen der Nachbarn nimmt man stärker teil als im Hotel.

Auch warten die überfüllten Campingplätze während der Hauptsaison mit ähnlichen Problemen wie Hotels auf: Es gibt ganze Landstriche, da läßt sich ohne lange Vorausreservierung kaum mehr ein Unterschlupf für die Nacht finden. Das mobile Eigenheim ist nicht viel wert, wenn es nur spazierengefahren, aber nicht benutzt werden kann, weil die Polizei das Übernachten außerhalb der Campingplätze nicht erlaubt. Das ist von Land zu Land zwar unterschiedlich, aber in wenigen Jahren dürften sich überall, strenge Regeln gegen "Wildcamping" durchgesetzt haben.

Jedoch ein Blick auf die Autobahnen zeigt, daß offenbar sehr viele Mitbürger die Nachteile des mobilen Wohnens geringer schätzen als die Probleme, die mit Hotels verbunden sind. Der Trend geht unvermindert in Richtung Unabhängigkeit, dem Zelt folgte der Caravan und an die Caravan-Euphorie scheint sich bereits eine neue Welle von Mobilität zu hängen: die Reisemobil-Enthusiasten, Diese Reise-, Wohn- oder Campingmobil genannten Fahrzeuge sind im einfachsten Fall Klein-Lastwagen, ausgerüstet mit Bett und Kocheinrichtung. Komfortablere Gefährte bieten einen Wohn / Schlafraum, Dusche und Toilette und eine moderne Küche. Heizung und zentrale Wasserversorgung ist ebenso selbstverständlich wie ein Abwassertank gegen Umweltverschmutzung. Derartig mobile Wohnungen (die bereits auf dem Fahrgestell eines Ford Transit, Mercedes 207 oder VW LT zu haben sind) können sich im Komfort mindestens mit mittleren Hotels messen.

Es stellt sich die Frage, welches fahrbare Urlaubsheim ist vorzuziehen, der billigere und mehr Wohnfläche bietende Caravan oder das mit eigenem Motor angetriebene Wohnmobil. Unterwegs wird sich jeder Caravan-Besitzer das Reisemobil herbeiwünschen: Dort wo Lkw und Caravans rechts einscheren und in langsamer Schlange Berge hinaufkriechen müssen, dort zieht das Reisemobil stolz und unabhängig vorbei. Auch nach der Steigung bleibt das Reisemobil überlegen, weil nur für die wenigen, sehr schweren Fahrzeuge eine Geschwindigkeitsbeschränkung gilt, während Caravan-Gespanne in jedem Fall an 80 Stundenkilometer gebunden sind.

Wenn sich im traditionellen Stau am ersten Urlaubstag die Reisemobil-Familie zu einer gemütlichen Tasse Kaffee ins Wohnzimmer zurückzieht, dann kann der Caravaner allenfalls die Autotüren öffnen und sich von abgasgeschwängerter Luft anblasen lassen. Hat sich der Stau aufgelöst, spielen die Kinder weiterhin im Wohnabteil des Reisemobils, die Mutter legt sich vielleicht für eine Weile ins Bett, um später frisch und entspannt das Steuer zu übernehmen.