Von Manuela Reichart

In den meisten Buchläden kommt man nicht daran vorbei: die neueste Taschenbuch-Reihe des Rowohlt-Verlages wird verkaufsfördernd plaziert. Und der Verlag wirbt auch kräftig für seine neue Sparte: Neben Wissenswertem, Politischem, Theoretischem gibt es jetzt auch "Frauliches" in einer eigenen Taschenbuchreihe, die, besonders einprägsam aufgemacht, "Frauengefühle" ansprechen soll. Denn um die anderen Gefühle geht es in den Bändchen mit dem modischen Titel "neue frau". Oder, wie es die Herausgeberin Angela Präsent in einem Interview formulierte: "Mir ist aufgefallen, daß die Theorie-Welle abgefahren ist. Die wichtige Arbeit ist gemacht, was fehlt, ist die emotionelle Einarbeitung, wie wir das mit dem Leben verbinden sollen."

Was da unter Theorie verstanden wird, bleibt unklar, denn von einer solchen "Welle" kann man in der deutschen Frauenbewegung schwerlich sprechen – anders als in Frankreich, wo uns die Frauen mit ihrem theoretischen Diskurs voraus sind. Im Gegenteil, die vielen Erfahrungsberichte, deren Wichtigkeit, durch die Authentizität der Schreiberin bewiesen wurde (und die für viele Frauen sicher wichtig und nötig waren), erschweren die notwendige Diskussion um abstraktere Texte. Und sie verhindern allzuoft auch Kriterien für die Qualität von Frauen-Literatur, denn hier zählt allein die Geschlechtszugehörigkeit.

Die "neue frau": sie "erzählt: was sie denkt, was sie fühlt, was sie will", – monatlich. Nummer 1, Aushängeschild der Reihe –

Elisabeth Albertsen: "Das Dritte – Geschichte einer Entscheidung"; ro – neue frau 4134, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1977; 92 S., 3,80 DM.

Die akademisch ausgebildete Ehefrau eines erfolgreichen Verlagsmannes lebt im Grünen mit zwei Kindern, Haushalt, großer Wäsche – der alltäglichen ermüdenden Eintönigkeit. Ihre Suche nach sich selbst, nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kommt über unregelmäßige freie Samstage nicht hinaus. Eine gewöhnliche Ehe: sie verträgt die Pille nicht, er ist gekränkt, weil sie deswegen an "gefährlichen Tagen" nicht mit ihm schläft, "dann mußt du in Herrgotts Namen eben wieder die Pille nehmen! Das jedenfalls habe ich satt!" Sie wird zum drittenmal schwanger. Doch zum erstenmal nach langer Zeit will sie anders als alle von ihr wollen; anders vor allem als der ignorante Ehemann, der gegenüber den psychischen Schwierigkeiten ihrer Entscheidung blind und taub ist, der auf der Fahrt zum Holland-Bus sich nach der Henkersmahlzeit für das Ungeborene erkundigt.

In der Mitte des Betts