Landshut will „freundliche Beziehungen“ aufnehmen

Landshut

Einen Ausflug, in die Weltpolitik hat er beileibe nicht angetreten, der Landshuter Oberbürgermeister Josef („Dick“) Deimer. „Und eine großartige Partnerschaft wird das auch nicht, eher eine freundschaftliche Beziehung“, sagt das 41jährige Stadtoberhaupt der niederbayerischen Metropole, die letztes Jahr ungewollt weltweit bekannt wurde. Ihr Name und ihr Wappen standen auf jenem Lufthansa-Flugzeug, das Terroristen entführten und das die Sondereinheit GSG 9 des Bundesgrenzschutzes am 13. Oktober 1977 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu befreite.

Die weiße Stadt am Horn von Afrika, 6000 Kilometer von Niederbayern entfernt, rückt nun über die makabre Begebenheit des Terroranschlags ein wenig enger an Landshut heran, denn der niederbayerische Stadtrat beschloß, mit Mogadischu eine Städtefreundschaft zu schließen. „Es wird ein symbolisches Bekenntnis zueinander sein mit der ehrlichen Bereitschaft, sich über Kontinente hinweg verbunden zu fühlen“, sagt Deimer, dessen Stadt sich nicht danach drängte, neben drei intakten Partnerschaften zu einer französischen, einer schottischen und einer nahegelegenen bayerischen Gemeinde nun noch ein weltumspannendes Bündnis einzugehen.

Rein platonisch

Den Freundschaftspakt zwischen den in vielerlei Hinsicht ungleichen Partnern entwarf Somalias bayerischer Generalkonsul Gerhard Höper, der damit sechs Wochen nach den Ereignissen von Mogadischu plötzlich in Landshut erschien. Die Stadt hatte zuvor schon enge Verbindungen zu dem auf ihren Namen getauften Lufthansa-Jet und dessen Besatzung gepflegt und auch schon die heikle Städtepartnerschaft mit dem französischen Compiegne mit Anstand in geregelte Nachkriegsbahnen geleitet. Nun freilich wurden die Stadtväter mit einem Problem von weltweiter Bedeutung konfrontiert. Sie wägten das Angebot sorgsam ab, ehe sie befanden, eine formelle Städte-Partnerschaft über so große Entfernungen könne wohl nur rein platonisch sein. Um niemand zu brüskieren und diplomatische Verbindungen nicht zu gefährden, entschlossen sie sich schließlich zu einer wahrhaft diplomatischen Lösung. „Landshut ist bereit, mit Mogadischu aus Dankbarkeit freundliche Beziehungen zu pflegen“, entschied nun der Kultursenat des Stadtrats, wobei das beschließende Gremium schon signalisiert, daß dies vor allem auf kultureller Ebene geschehen soll. Folklore im Austausch

Die 60 000-Einwohner-Stadt Landshut wird denn auch mit der 200 000-Einwohner-Metropole vor allem „gewisse Äußerlichkeiten“ austauschen, wie Deimer sagt, der damit keinesfalls in außenpolitische Belange hineinfunken will. „Wir kennen zwar die weltpolitische Rolle des Horns von Afrika, wir fühlen uns aber als kleine Stadt und wollen niemand vor den Kopf stoßen“, sagt der Oberbürgermeister, dem aus Mogadischu bereits vielköpfige Delegationen avisiert wurden.