Unten, im Parkett der Hamburger Markthalle, predigte der von seiner Kirche beurlaubte Pastor Paul Schulz über die "Gemeinschaft für alle". Oben, auf dem Rang, verlangte das vier- oder fünfjährige Plappermäulchen in monotoner Regelmäßigkeit: "Papi, ich will ne Brause — Und weil Pastor Schulz — unten — auf ein Mikrophon verzichten mußte ("Die Firma hat uns im Stich gelassen"), war — oben — das Plappermäulchen deutlicher vernehmbar als der Redner, der sich als Hauptakteur der prall gefüllten Markthalle Gehör zu verschaffen hatte.

Das erste "Sonntagsfest", das unter dem hochgestochenen Titel "Communio humana" über die Bühne lief, machte die Probe aufs Exempel. Es wurde, vom Baby- bis zum Greisen Alter, "Gemeinschaft" propagiert; und es bot, vom Parkett bis zum Rang (Erwachsene zahlten drei Mark Eintritt), für jedermann etwas.

Man konnte sein Bier nuckeln, während Pastor Schulz in salopper Sprache ("Du spinnst, lieber Freund, so geht es nicht") zum Thema kam. Man konnte sich an der pantomimischen TheaterSzene erfreuen, die vom Gekonnten (etwa von der Schießgewehr Parodie) bis hin zum Trivialen (Striptease Nummer) jedermann gerecht zu werden versuchte.

Diese Veranstaltung, die auf Grund ihres Publikums interesses ein Dakapo verdient, hatte ihr pikantes Vorspiel. Schon vor Wochen hatte Pastor Schulz die "Communio humana" als eine kirchliche Show angekündigt, die ihm schließlich aus juristischen Gründen gestrichen worden war. Denn der Hamburger Pastor befand sich nach dem Lehrbeanstandungsverfahren der Evangelisch Lutherischen Kirche Nordelbiens (nächster Prozeß Termin am 9. Juni in Hannover) im Spannungsfeld eines "schwebenden Verfahrens", das eigentlich vorübergehend Mundtotsein bedeutet. Nun, der clevere Hamburger "Ketzer Pastor, der gar kein Ketzer ist, fand den Dreh, um sich in diesem kirchlichjuristischen Ränkespiel selbst herauszureden. Als Veranstalter fungierte jetzt die von Pastor Schulz ins Leben gerufene "Communio humana" unter verschiedenen Namen; Paul Schulz blieb ak "Gastredner" trotzdem, w ie ursprünglich geplant, die Nummer eins dieser Veranstaltung. Seine Predigt zum Thema "Gemeinschaft für alle", bewegte sich dabei völlig im Rahmen jener christlichen Theologie, die man in der Kirche erwartet. Mit anderen Worten, wer einen smarten kirchlichen Show Master erhoffte, der alle religiösen Werte in Frage, stellte, wurde enttäuscht. Paul Schulz ließ vom ersten Satz an erkennen, daß er sein Amt als Pastor auch in der Hamburger Markthalle ernstzunehmen gedachte. Hier wurde tatsächlich so gepredigt, daß sich die Leute selbst verstehen konnten. Hier sprach einer mit den Worten von unsereins: "Jesu! meinte, ihr spinnt wohl — Daß der Funks trotzdem nicht übersprang, mag bei dieser Veranstaltung daran gelegen haben, daß sich in undeutlich zu artikulieren vermag, wenn die Technik streikt. Und in der Hamburger Markthallf hatte sich, wie gesagt, ein renommierter Kanzelredner wie Paul Schulz gegen das lautstärker Plappermäulchen vom oberen Rang durchzusetzen, weil er selbst keinen Lautverstärker besaß Die Idee indes war gut, ein "Sonntagsfest" mii Jazz und Lyrik, mit Pantomime und Theater mit Wein und Bier — und mit "Kirche"abzuhalten. Der Teufel dieser Veranstaltung steckte iii die Anrede, die Gegenrede, das Spaßmachen, daji