Wolfgang Geisthövel, von Beruf Mediziner, hat sich zuvor schon im Mittelmeerraum als schriftstellernder Globetrotter umgetan. Und nach seinem erprobten Rezept, in unmittelbare Reiseerlebnisse geschichtliche und kulturelle Details einzuflechten, hat er auch dieses Buch konzipiert, das ein Diarium neugieriger und erlebnisdurstiger Exkursionen von Mexiko bis Bolivien ist. Zwar geht Geisthövel gelegentlich die Feder durch, und manche euphorische Passage verwackelt ihm zu schiefen Sprachbildern, doch macht er dieses Manko wieder wett, wenn er links und rechts vom Reiseweg impressionable Notationen beisteuert: sinnliche Kleinigkeiten, die dem Leser sagen, was ihn an Ort und Stelle wirklich erwartet – außerhalb der Hotel-Enklaven und der präkolumbianischen Sehenswürdigkeiten, über die der Verfasser ebenfalls ausführlich berichtet, Ein Buch, geschrieben mit der Unbekümmertheit eines aficionado, der auch einen Blick in die cantinas, in die trostlosen Kneipen der Einheimisehen, riskiert und der nicht über den skandalösen Sachverhalt hinwegmogelt, daß die lateinamerikanische Oligarchie Interesse nur am Zustand der eigenen Luxushäuser und Prunkgärten bekundet, nicht jedoch am Bild ihrer Haupt-Städte, die fast immer deprimierend häßlich sind. (Wolfgang Geisthövel: "Reisen in Lateinamerika"; Econ Verlag, Düsseldorf, 1978; 440 S., 38,– DM.) Hans-Jürgen Heise