Albert Ehrensteins Gedichte

Von Klaus Jeziorkowski

Es sind die Autoren, die Bücher machen, so glauben die Naiven. Und es gibt mehr naive Leser als naive Bücher. Mindestens ebenso oft nämlich werden Bücher auch von Gelegenheiten und Konstellationen gemacht.

Diese Erfahrung bestätigt die Ehrenstein-Edition von Jörg Drews. Mehrere Dinge kommen zusammen: Da gibt es Gedichte von Albert Ehrenstein, publizierte und unpublizierte, und den offenbar schwierig zu überblickenden Ehrenstein-Nachlaß in der "Jewish National and University Library" in Jerusalem. Da gibt es Jörg Drews, der 1969 mit einer Dissertation über "Die Lyrik Albert Ehrensteins" promoviert wurde. Und da gibt es schließlich als publizistisches Forum die edition text + kritik, die wiederum eine Reihe "Frühe Texte der Moderne" beherbergt. Einer der drei Herausgeber dieser Reihe ist Jörg Drews. Nun ist das Weitere nur noch ein Rechenexempel, bis das Bändchen mit einer Auswahl aus Ehrensteins gesamtem lyrischen Œuvre auf den Markt kommt –

Albert Ehrenstein: "Wie bin ich vorgespannt den Kohlenwagen wagen meiner Trauer", Gedichte; Reihe: Frühe Texte der Moderne, edition text + kritik, München, 1977; 180 S., 17,– DM.

Die Frage müßte jedoch sein, ob die Qualität des lyrischen Werks von Ehrenstein so beschaffen ist, daß es sich lohnt, es ganz oder in Auswahl vor unsere Augen zu bringen, oder ob, was hier ausgewählt und vorgelegt wird, den Stellenwert eines Zeitdokuments hat, der es geeignet sein läßt, in einer Sammlung früher Texte der Moderne vorgestellt zu werden, etwa neben den dort schon sehr gut plazierten Stücken von Scheerbart. Beide Fragen werden durch die Edition und den Herausgeber selber negativ beantwortet.

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