Von Fabian von Schlabrendorff

Kürzlich hat die Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart ein erstaunliches Buch veröffentlicht:

"Rückkehr unerwünscht"; herausgegeben von Wilhelm Raimund Beyer; Stuttgart 1978; 332 S., 29,80 DM.

Es enthält zwei Veröffentlichungen, die – äußerlich gesehen – voneinander verschieden sind, aber in einem Zusammenhang stehen, wie er enger nicht gedacht werden kann. Die erste Veröffentlichung hat den verstorbenen Verleger der Nürnberger Nachrichten – Joseph Drexel – zum Verfasser. Sie trägt den Titel "Die Reise nach Mauthausen". Den zweiten Teil des Buches füllt der ungekürzte Wortlaut des am 10. Januar 1939 ergangenen Urteils des Volksgerichtshofes gegen Ernst Niekisch und seine beiden Freunde Joseph Drexel und Karl Tröger aus.

Das Buch wird Aufsehen erregen. Man beginnt es zu lesen, wird von seinem Inhalt, aber auch von seiner Darstellungskunst gepackt. Man hält den Atem an, kann nicht aufhören und liest es in einer Nacht wie im Flug. Es enthält die Geschichte der Widerstandsbewegung, die durch Ernst Niekisch ins Leben gerufen worden ist, die, äußerlich gesehen, gescheitert ist, aber dennoch der Zeit ihren Stempel aufgedrückt hat und nie wieder aus der Geschichte des deutschen Volkes verschwinden wird.

So groß die Gestalt von Ernst Niekisch, des Sohnes eines schlesischen Feilenhauers, gewesen ist, so großartig hat sein Freund und Mitarbeiter Joseph Drexel in seinem nur für Freunde veröffentlichten Büchlein seine Zeit im Konzentrationslager Mauthausen geschildert. 1939 zu drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus durch den Volksgerichtshof verurteilt, wurde er nach dem 20. Juli 1944 erneut verhaftet und kam auf Weisung der Gestaponach Mauthausen. Auf seinem Einweisungspapier befand sich der Zusatz: "Rückkehr unerwünscht". Was uns Joseph Drexel, der das Konzentrationslager überlebt hat und sich später einen Namen als Herausgeber der Nürnberger Nachrichten gemacht hat, über das KZ schreibt, ist einmalig. Man übertreibt nicht, wenn man sagt: Diese Abhandlung ist ein Denkmal der deutschen Sprache. Aber auch der Inhalt des Buches, der jetzt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, hat hohen Rang. Obwohl er dem Leser von allen Schrecknissen des Lagers nichts erspart, fühlt man auf jeder Seite, daß hier die Feder eines Künstlers am Werke, ist. Obwohl der Verfasser ganz Opfer ist, bleibt immer die Überlegenheit des Menschen zu spüren, der größer ist als das Schicksal, das ihm widerfährt. Bei allem Ernst und aller Trauer sind Hohn und Spott spürbar, die Joseph Drexel davor bewahrt haben, in den Untergang mit hineingerissen zu werden.

Obwohl ihm keine Demütigung durch die Schergen des Nationalsozialismus erspart blieb, ist zu entdecken, daß hier eine Welt vermittelt wird; von der niemand geglaubt hat, daß Deutsche durch das Konzentrationslager eine Institution schaffen würden, deren Unmenschlichkeit alles hinter sich läßt, was das menschliche Gehirn jemals ersonnen hat. Aber der gleiche Joseph Drexel, der sich als Bayer und Katholik vorstellt, weiß zu rühmen, daß er zuvor in preußischen Zuchthäusern vor allen Exzessen sicher war – eine späte Ruhmesrede über einen Staat, der nicht mehr ist, der aber einen Teil der deutschen Geschichte ausgemacht hat.