Sie sind wieder da, die Schweden. Mit einem für ihre Verhältnisse geradezu aufdringlichem Eifer werben sie in dieser Saison um Besucher aus der Bundesrepublik. Das war nicht immer so.

Vor rund fünf Jahren machten sie ihre Fremdenverkehrsvertretung in Frankfurt kurzerhand dicht und lagerten ein paar Prospekte im Hamburger Konsulat. Neben San Marino und Andorra blieben sie für einige Zeit die einzigen unter unseren westeuropäischen, Nachbarstaaten, die auf ein Buhlen um die DM-Touristen verzichteten. Die kamen ohnehin, nicht zuletzt dank des werbenden Eifers der Fährschiff-Reedereien. Im kronenreichen Schweden war man überdies der Meinung, es sei im Sommer kaum noch Platz für die Schweden inmitten all der Touristen. Angesichts der weiten und einsamen Natur des schönen Landes ist diese Auffassung ein Witz, aber was kann man mit geographischen Daten schon gegen Emotionen ausrichten?

Doch Gefühle sind eine und Geschäfte sind eine andere Sache. Und ein Geschäft ist der Fremdenverkehr schließlich für all jene, die mit ihm ihre Hotelbetten, Campingplätze und Transportmittel füllen. Und diese Branchen forderten unmißverständlich, den nahen und zahlungskräftigen Markt in Deutschland nicht länger links liegen zu lassen. So kamen sie wieder, die Schweden; in Hamburg eröffneten de unweit der anderen skandinavischen Touristikbüros eine neue Vertretung.

Das Engagement zahlt sich aus: Rund 220 000 deutsche Touristen reisten im vergangenen Jahr nach Schweden, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht insgesamt etwa zwei Millionen Übernachtungen. Damit stellten die Besucher aus Deutschland 35 Prozent der Gästestatistik – allein die Amerikaner konnten ihnen mit 20 Prozent noch entfernt das Wasser reichen.

Vielleicht trugen diese Zahlen dazu bei, daß die etwas fremdenscheuen Schweden in diesem Frühjahr wie die Profis und mit einem Verkaufsförderungsetat von 800 000 Kronen um die deutschsprachigen Nachbarn werben. Sie legten preiswerte Hotel- und Campingplatz-Schecksysteme auf, sie druckten ebenso nützliche wie optisch anreizende Prospekte, sie besannen sich auf die Werbekraft ihres Popquartetts "Abba" und machten in ihrer Touristik-Renaissance auch vor ihren gekrönten Häuptern nicht halt. Schließlich kommt die hübsche Königin ja aus Deutschland, und sie macht sich im Deutschland-Katalog besonders gut, sei es als sommerliche Mutter oder als winterfeste Anglerin.

Angesichts dieses Eifers wird es einigen vom Tourismus lebenden Schweden schon wieder blümerant: "Hoffentlich kommen jetzt nicht zu viele", meinte einer von ihnen kürzlich, "sonst fühlen sich die Unseren vielleicht wieder zu beengt". Vielleicht sind sie den Gästen dabei aber auch nähergekommen. Zumindest die deutschen Besucher konnten in einer Befragung loben: "Die Leute sind freundlicher, als man eigentlich annahm."

Klaus Viedebantt