Mit den Impressionen aus München beenden wir heute eine kleine Serie, in der wir die Stadtrundfahrten in den meistbesuchten deutschen Großstädten erprobten. Unsere Erfahrungen waren nicht sehr erfreulich: Dieser durchaus nicht allzu preiswerte Besucherservice wird, so ist unser Eindruck, als lästige Pflicht abgespült, Wo wir auf interessante Facetten einer Stadt, abseits ausgetretener Besichtigungspfade stießen, verdankten wir das dem persönlichen Engagement einzelner Fremdenführer und ihrem lebendigen Interesse an ihrer eigenen Stadt. Doch das blieben die Ausnahmen, die meist halboffiziellen Angebote für Stadtrundfahrten erwiesen sich allesamt als etwas dürftig.

Das ist aus der Sicht der Besucher ebenso bedauerlich wie aus der Optik der betroffenen Städte. Sie alle geben Millionenbeträge für ihre Imagewerbung aus, sie produzieren eindrucksvolle und teure Hochglanzbroschüren zum eigenen Ruhm. Aber dort, wo sie besonders Interessierte ansprechen könnten, im Bus der Stadtrundfahrten, da ist von der städtischen Fremdenverkehrswerbung nichts mehr zu spüren. Wer schon in sein Portemonnaie gelangt hat, um etwas über die fremde Stadt zu erfahren, der sollte wohl auch ein bevorzugter Adressat für die kommunale Selbstdarstellung sein.

Hier soll nicht einer verbreiteten Schönfärberei nach Rathausvorstellungen das Wort geredet werden.Wir meinen, die Städte sollten vielmehr die günstige Gelegenheit am Schopf packen und sich ihren Besuchern als lebensvolle und besuchenswerte Stätten zu präsentieren. Dazu reicht das derzeit betriebene seelenlose Abhaken der Lexikon-Sehenswürdigkeiten nicht.

Unsere Klage gilt nicht den einzelnen Fremdenführern (meist jobbende Studenten), die mit mehr oder weniger viel persönlichem Geschick den starren Rahmen einer Busroute auszufüllen haben, unserer Kritik macht sich auch nicht an einzelnen sachlichen Fehlern fest, wie sie allenthalben vorkommen können. Die Kritik gilt vielmehr der Lieblosigkeit, mit der Städte eine Einrichtung bedenken, die jährlich Tausende mit ihrem Gemeinwesen bekanntmachen,

Das bedeutet, daß Touren unterschiedlicher Art für unterschiedliche Interessen angeboten werden sollten, und daß vor allem die "allgemeinen" Stadtrundfahrten als das genutzt werden, was sie für viele Fahrgäste sind, nämlich Einstimmungen, die das Terrain für eine weitere Erkundung der Stadt auf eigene Faust bereiten sollen. Diesen – Gästen könnte beispielsweise ein eigens gefertigter Prospekt mitgegeben werden, der ihnen den Fortgang ihrer Visite erleichtert und mit Anregungen spickt.

Grundlage all dessen muß gewiß eine verbesserte Ausbildung der Fremdenführer sein. Frankfurt, eine Stadt mit herzhaft schlechtem Image, hat jetzt eine Konsequenz gezogen und beschlossen, drei Fremdenführer fest anzustellen und entsprechend zu schulen. Wenn das städtische Trio seine Aufgabe nicht nur darin sieht, das eingebleute Wissen bis zur Pensionierung unverändert weiterzureichen, sondern auch aktuelle neue Rundfahrten zu komponieren, erscheint das eine sinnvolle Investition zu sein, zum Nutzen von Gast und Gastgeber. Klaus Viedebantt