Saarbrücken

Paul Forster, verheiratet, von Beruf Hüttenarbeiter, kommt unversehens auf die schiefe Bahn. Ein Leben wie tausend andere ändert sich schlagartig dann, als er die Raten für das neue Auto, die teure Wohnungseinrichtung nicht mehr zahlen kann. Er gerät in die Fänge eines Kredithaies mit unseriösen Geschäftspraktiken, die er ihm handgreiflich heimzahlt: Er verprügelt ihn. Ziellos fährt er nach der Keilerei umher, wird in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem ein Toter auf der Straße zurückbleibt. Paul Forster fährt weiter, ohne sich um den Toten zu kümmern. Der Flüchtige wird gestellt. War es Totschlag, fahrlässige Tötung, ein Versehen? Das ist die Handlung eines 100-Minuten-Films, dessen Autoren mehr, im Sinn haben als bloße Unterhaltung.

Der Krimi "Strafsache gegen F." ist in seiner Art neu. Spannend und lehrreich zugleich stellt er am Beispiel eines Falles, des Falles Forster, dar, was unter Umständen jedem von uns passieren. kann. Er informiert über die Tücken der Strafprozeßordnung. Die vielfältigen Möglichkeiten der Auslegung trockener Paragraphen, Argumente und Gegenargumente führen dem Zuschauer die ganze Spanne zwischen "Lebenslänglich" und Freispruch vor Augen. Gezeigt wird der Film zunächst im Oktober den Fernsehzuschauern von Südwest 3, später ARD-weit, und im übrigen in Sondervorführungen angehenden Juristen. Denn auch das ist neu: Film und ein begleitendes Lehrbuch, das im Sommer erscheint, sollen in der Juristen- wie in der Polizeiausbildung das wenig beliebte, da trockene Strafprozeßrecht am praxisnahen Beispiel erläutern.

An dem Film arbeiteten deshalb Experten aller betroffenen Bereiche mit. Unter der Leitung von Kriminologie-Professor Hans Heiner Kühne von der Universität des Saarlandes bastelten Praktiker von Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Rechtsanwaltschaft auf Grund von Originalprozeßakten eine Handlung zusammen, die Hannelore Appler zum Drehbuch formulierte. Eine Besonderheit des Films sind sechs kurze Pausen. An wichtigen Entscheidungssituationen wird das Bild eingefroren, um so Gelegenheit zu geben, über mögliche Wege nachzudenken. Fernsehzuschauer sehen die Handlung geschlossen; für sie werden diese entscheidenden Szenen erst in der anschließenden Fernsehdiskussion eingespielt, wenn unter Leitung von Prof. Kühne Fachleute die Problematik noch einmal aufgreifen.

Unter der Regie von Wolfgang Glück wurde der Krimi an Originalschauplätzen gedreht. Hauptdarsteller Günter Lamprecht wird in die Saarbrücker Strafvollzugsanstalt Lerchesflur gebracht, begleitet von "echten" Polizisten. Weitere Dreharbeiten wie die Verfilmung des verhängnisvollen Unfalls wurden in der Umgebung von Saarbrücken sowie in den Studios des Südwestfunks in Baden-Baden aufgenommen. Der Südwestfunk trägt auch mit 600 000 Mark den Hauptteil der Kosten. 300 000 Mark schießt das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft für diesen neuen multimedialen Ansatz in der universitären Lehre zu.

Der Film zeigt an einem Durchschnittsbürger die relative Zufälligkeit, mit der jemand in ein Strafverfahren als Beschuldigter verwickelt werden kann. Er zeigt die Probleme der Personen, die mit der Strafverfolgung betraut sind, und die auf Grund von Fakten ein Urteil zu fällen haben, das in dem ganzen Wust der Paragraphen nie eindeutig festgelegt ist. An Spannung jedenfalls, so versichern die "Macher", steht die "Strafsache gegen F." ihren fernsehbekannten Serien-Artgenossen in nichts nach.

Christel Szymanski