Von Wolfgang Hoffmann

Der Bundesverband der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen in der Bundesrepublik kreuzt mit der Hamburger Industrie- und Handelskammer heftig, die Klingen. Anlaß.-der Fehde ist die Vermutung des Verbandes, die Hamburger Kammer, insbesondere deren stellvertretender Hauptgeschäftsführer Straatmann, verfahre bei der Bestellung von Sachverständigen allzu willkürlich.

Die Hanseaten sehen darin eine Diffamierung; die sogar strafbare Beleidigungstatbestände erfülle, insbesondere den der üblen Nachrede. Dennoch lehnen die Sachverständigen den verlangten Widerruf ab. Ihnen geht es um mehr – um eine klare Definition ihres Berufsstandes.

Die deutschen Sachverständigen – etwa 40 000 bis 50 000 –, die sich auf über 200 verschiedene Berufssparten spezialisiert haben, sind in drei recht unterschiedliche Klassen eingeteilt: in "amtliche", "öffentlich bestellte und vereidigte" und in sogenannte "freie" Sachverständige, die oft auch als "wilde" Sachverständige abgestempelt werden.

Daß letzteres überhaupt möglich – ist, hängt damit zusammen, daß sich jeder Sachverständiger nennen. darf, der sich auch sachkundig fühlt. Was "Sachkunde" wirklich bedeutet, ist aber schwer zu definieren. Sie endet bestenfalls dort, wo die Vorspiegelung falscher Tatsachen beginnt. – Die Könige der Expertenbranche sind jene, die mit dem Zusatz "amtlich" firmieren. Sie sind amtlich anerkannt, und nur ihnen ist es vorbehalten staatliche Hoheitsaufgaben, wie beispielsweise; die Kfz-Sicherheitsprüfung, wahrzunehmen. Diese Gruppe praktiziert bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht frei, sondern als Angestellte – der Technischen Überwachungs-Vereine (TÜV). Die zweite Gruppe, die sich mit dem Gütesiegel öffentlich bestellt, und vereidigt" ausstatten darf, arbeitet überwiegend als Gutachter für Gerichte, freilich auch als Experten für Privatpersonell oder Firmen, etwa bei der Begutachtung von Schadens- und Versicherungsfällen, Diese Sachverständigen werden in der-Regel von den Industrie- und Handelskammern, aber auch den Handwerkskammern, benannt.

Für diesen Kreis hat der Deutsche Industrie- und Handelstag besondere berufliche und persönliche Kriterien erarbeitet. Neben der selbstverständlichen fachlichen Qualifikation stehen insbesondere Unabhängigkeit und Verschwiegenheit hoch im Kurs. Für den Konsumenten haben diese Experten einen großen Vorteil: das Gütesiegel bürgt für besondere Zuverlässigkeit.

just das aber ist bei den "freien" oder "wilden" Sachverständigen keineswegs gesichert. Wer sich nämlich nach einem Autounfall auf den Sachverständigen, einer Versicherung verläßt, ist oft verlassen. Die Sachverständigen der Versicherung sind meist Angestellte, sie vertreten folglich die Interessen der Versicherung. Die aber sind im Zweifel kaum identisch mit denen des Versicherten. Wer einen Versicherungsschäden hat, ist daher gut beraten, gleich den öffentlich bestellten Sachverständigen zu bemühen.