Streit um Honorare und eine fragwürdige Anzeigenaktion der Funktionäre

Deutschlands Kassenzahnärzte im allgemeinen, die von Nordrhein im besonderen, legen sich quer. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung in Köln jedenfalls lehnte die Empfehlung der Konzertierten Gesundheitsaktion beim Bonner Sozialminister Herbert Ehrenberg ab, ihre Honorare in diesem Jahr nur um 2,5 Prozent zu erhöhen. Was die Konzertierte Aktion als einen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitsbereich verstanden wissen will, interpretieren die Zahnärzte als eine Schmälerung ihrer Einkommen. Das aber wäre ungerechtfertigt, denn "die Zahnärzte sind nicht für eine Kostenexpansion verantwortlich zu machen".

Diese These des Bundes-KZV wird schon seit Monaten von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Nordrhein massiv publizistisch unterstützt. In Pressemitteilungen, Anzeigen und sonstigen Verlautbarungen hat die KZV-Nordrhein die eigentlichen Schuldigen für die Kostenexplosion in ganz anderen Bereichen geortet: Mal sind Kernkraftwerke die Ursache für steigende Medizinleistungen, mal tragen Politiker dazu bei, daß alles teurer wird. Herbert Ehrenberg wurde in einer fadenscheinigen Rechnung unterstellt, er beziehe ein Jahresgehalt von 800.000 Mark und lasse sich von lohnabhängigen Arbeitern wie ein Feudalherr finanziell absichern. Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht, früher einmal: Repräsentant einer Keksfabrik, wurde als Lobbyist der Keksindustrie und Krankheitsanbieter abgestempelt. Denn im Zucker der Kekse und anderen Süßigkeiten stecke vor allem der Beelzebub, der ausgetrieben werden müsse.

In regelmäßigen Zeitungsinseraten haben die nordrheinischen Kassenzahnärzte unter dem Motto "Zähne gut – alles gut" dem süßen Leben den Kampf angesagt. "Gerade die Tatsache, daß Zucker die nackte Kalorie ist, macht ihn zu einem die Zahngesundheit und damit de gesamte Gesundheit gefährdenden Faktor im Bereich unserer Ernährung." Daher die KZV-Devise: "Am besten ist, den Fabrikzucker aus dem eigenen Haushalt ganz zu verbannen.‘

Aber nicht nur beim Zucker schüttet die KZV-Kampagne das Kind mit dem Bade aus: "Am Marmeladenbrötchen ist alles falsch: die Marmelade und das Brötchen." Auch "Steaks und Muskelfleisch sollte seltener auf den Tisch". Und "Schweinefleisch, Wurst, fabrikatorisch gemästetes Geflügel oder durch Dunkelkerker der Kälber gewonnenes Kalbfleisch", sollen gemieden werden. Ganzen Branchen und deren Produkten warfen die Zahnärzte den Fehdehandschuh zu.

Selbst vor der versteckten Empfehlung staatlicher Konsumverbote, wie sie zum Rüstzeug extremer Linker gehören, schrecken die sonst auf Marktwirtschaft bedachten und meist gutbetuchten Ärzte nicht zurück. "Den Tätern auf der Spur", liest sich dann so: "Heute müssen Ärzte und Zahnärzte mehr arbeiten und weniger verdienen, weil immer mehr Krankheit immer mehr Behandlungskosten verursacht. Mußte man nicht nach dem Verursachungsprinzip die Kosten, denen anlasten, die für die Verursachung von mehr und mehr Krankheit verantwortlich sind? Sind die Interessen der verantwortlichen Industrien heilige Kühe?"

Die Richtung ist deutlich: St. Florian, verschon mein Haus, zünd’ das des anderen an. Der Rechtsreferent des Deutschen Bauernverbandes, Berthold Peinemann, ironisch: "Da ist der St. Florian nun auch Schutzpatron der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein geworden."