Angefragt hatte die FDP bei dem ehemaligen amerikanischen Außenminister Henry Kissinger, ob er am 5. und 6. Mann Hannover an einem sicherheitspolitischen Kongreß teilnehmen, wolle. Auch das Thema war ihm schon angetragen worden: Perspektiven der atlantischen Partnerschaft. Aber der umworbene Kissinger hat zum Bedauern der Freien Demokraten abgesagt. Im niedersächsischen Wahlkampf wäre er ein attraktiver Wahlhelfer gewesen.

Seine große Premiere als Privatmann in Europa wird er statt dessen auf Wunsch der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung am 27. April in Hamburg geben. Im Beisein von Bundeskanzler Schmidt, dem SPD-Vorsitzenden Brandt und George Ball widmet Kissinger sich dem Thema: "Weltwirtschaft und Nord-Süd-Konflikt." "Göttlich, ist der, welcher sich selbst bezwingt. Die meisten sehen ihren Ruin vor Augen – aber sie gehen hinein." Mit diesem Motto, gefunden bei Leopold von Ranke, leitet Franz Josef Strauß seinen jüngsten Notruf zur Situation im südlichen Afrika auf der Titelseite des Bayernkurier ein.

"Mit Blindheit geschlagen" sind danach: Die breite Mehrheit der Vereinten Nationen; der amerikanische UN-Botschafter Andrew Young; der britische Außenminister Owen; überhaupt "gewisse englische Politiker"; "naive Elemente" beider Kirchen in Namibia; Amerika, England und die anderen Staaten Europas, weil sie sich ins Schlepptau einer "wirtschaftlich bankrotten Mehrheit der UN nehmen" lassen; Bonn natürlich ganz besonders. Nur mit völliger UN-Unterwürfigkeit vermag Strauß es sich zu erklären, daß die Bundesrepublik nach jahrelangem Zögern das deutsche Konsulat in Windhuk geschlossen hat.

Schon nach seiner vorangegangenen Südafrikareise hatte der CSU-Chef im Parlament ähnlich kategorisch für die Politik der weißen Regierungen in Johannesburg und Salisbury Partei ergriffen. Mit noch weniger Vorbehalten und noch mehr Gefühl lehnt er jetzt alle Kompromisse gegenüber den Befreiungsbewegungen ab. –

Zwischen seiner Position und der von SPD und FDP, nicht zuletzt von Außenminister Genscher, türmen sich längst Berge. Und was sagt die CDU? Der Trip von Strauß durch Südwestafrika, Südafrika und Rhodesien falle gottlob in die presselose Streikzeit, frohlockten jüngst Christdemokraten. Sie haben sich zu früh gefreut.

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Im Jahr 2030 wird es nur noch 39 Millionen Bundesbürger geben, wenn die Geburten rate weiter so rasch sinkt wie bisher. Die Bundesrepublik sei das Land mit dem größten Geburtendefizit in der Welt, hat die CDU wieder einmal errechnet. Die Regierung hat den Trend längst schon bestätigt. Land ohne Volk?