Von Werner Mühlbradt

Mir will es nicht in den Kopf, daß im Zuge eines technischen Fortschritts Arbeitnehmer materielle Nachteile erleiden. Was ist das eigentlich für ein Fortschritt?" So sinnierte jüngst Franz Steinkühler, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Metall im lohn- und gesellschaftspolitischen Exerzier-Bezirk Baden-Württemberg. Der 40jährige gelernte Werkzeugmacher hält wenig davon, nur bis zum Tellerrand zu schauen und allein um Lohnprozente zu feilschen, "so wichtig diese auch sind".

Der tarifpolitische Alltag beschäftigt ihn, aber füllt ihn nicht aus. Er will weiterdenken an eine Zukunft, die ihn oft quält, an die Arbeitsbedingungen seiner Kollegen "vor Ort", an ihr berufliches und materielles Wohl und Wehe, aber auch an die gesellschaftliche Ordnung der Bundesrepublik, die für ihn keine statische Größe ist.

Manche Kollegen der IG Metall nennen Steinkühler deshalb "unseren Hausphilosophen" und Vordenker. Andere sprechen von Schwärmerei, die ihm eigen sei, und eine dritte Gruppe meint gar, der "Franz" werde vom Geltungs- und Auftrittsbedürfnis geplagt und benutze die IG Metall als "Spielwiese" für Eitelkeiten und Karriere.

Die dritte Gruppe liegt sicher falsch. Der aus Würzburg stammende Stuttgarter Funktionär kann sich einfach besser artikulieren als andere in seiner Organisation. Er ist ein anregender Gesprächspartner und häufig Gast in entsprechenden Runden. Soll er sich gegen solche Einladungen sperren? Dazu besteht – auch im Interesse seiner Gewerkschaft – kein Anlaß.

Über die Nachfolge Loderers und anderer Spitzenfunktionäre der IG Metall werden zu gegebener Zeit die Delegierten des Gewerkschaftstages zu entscheiden haben. Vielleicht zählt Steinkühler dann zu den Kandidaten. Aber sicher ist das noch nicht.

Weit mehr als diese Perspektive treibt den Stuttgarter Bezirksleiter der Wunsch, der Sache, mit der er es zu tun hat, "auf den Grund zu gehen". Manchmal wird Steinkühler dabei in die Nähe von Detlev Hensche, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der IG Druck und Papier, gerückt. Doch anders als dieser, der die privatwirtschaftliche Ordnung am liebsten in eine "Wirtschaft des Volkes" verwandeln möchte, hat sein Stuttgarter IG-Metall-Nachbar keine sozialistischen Patentrezepte in der Tasche. Steinkühler möchte die gegebene Ordnung im Interesse der Arbeitnehmer auf drei Wegen weiterentwickeln: