Nach vielen Aufregungen und Schrammen versprach zur Wochenmitte das Tauziehen um die Anti-Terror-Gesetze fast wie ein notarieller Akt zu enden.

Die Koalitionsparteien waren sich sicher, zur Zurückweisung des Bundesrats-Einspruchs die notwendige "Kanzlermehrheit" (249 Stimmen) zusammen zu haben. Politische Gefahr drohte allem Anschein nach nicht mehr. Denn den vier sozialdemokratischen "Dissidenten" Coppik, Hansen, Lattmann und Meinike, die bei der Verabschiedung des Gesetzesbündels mit ihrem "Nein" die Koalition an den Rand einer Niederlage gebracht hatten, machte das Einlenken gegen den Unions-Einspruch nun wenig Mühe.

So blieb vor der Abstimmung über den Einspruch am Donnerstag im Grunde nur die Sorge vor höherer Gewalt in Gestalt von Krankheiten oder Unfällen. Zwar hatten die Geschäftsführer der Regierungsfraktionen strengste Präsenzpflicht angeordnet. Aber bei der SPD ließen eine Mandeloperation und eine Blinddarmreizung die Vollzähligkeit zweifelhaft erscheinen.

Und was die FDP betraf, so zerbrachen sich manche Außenstehende den Kopf, ob das Walten der Natur plus politischer Streß nicht womöglich zu einer vorzeitigen Niederkunft der Abgeordneten Ingrid Matthäus führen könnten. An sich erwartet sie ihr Baby erst im Mai. "Doch selbst wenn", so ein Freidemokrat ungerührt, "das macht die notfalls doch zwischen zwei Abstimmungen."

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Mit Genuß verfolgen die Bonner Profis, welche Kreise der Stein zieht, den Willy Brandt mit seinem Vorschlag ins Wasser geworfen hat, Walter Scheel im nächsten Jahr wieder zum Staatsoberhaupt zu wählen. Zwar hat sich die Überraschung bei FDP und SPD inzwischen ebenso wieder gelegt wie der Unmut bei der CDU/CSU. Aber unter dem Strich bleibt zunächst, daß die Opposition von der handstreichartigen Besetzung des Themas "Präsidentschaftskandidat" durch den sozialdemokratischen Parteivorsitzenden den Schaden hat.

Monatelang war von ihr hinter vorgehaltener Hand ausgestreut worden, daß sich eine zweite Amtszeit Scheels durchaus vorstellen lasse – wenn sich denn die Liberalen bereit zeigen sollten, aus jener babylonischen Gefangenschaft mit der SPD auszubrechen, in der die Union sie mit biblischem Verdruß arretiert sieht. Nun aber wird es der CDU/CSU fürs erste schwerfallen, weitere Signale zugunsten eines Bewerbers auszusenden, den der Vorsitzende des von ihr so sehr bekämpften politischen Hauptgegners offen für sein Lager reklamiert hat.