Einem kranken Gemeinwesen als bittere Arznei Kommunisten zu verordnen, das mag Mitteleuropäern absurd erscheinen – doch in Italien fehlt es nicht an Medizinmännern, die sich von solcher Roßkur etwas versprechen. Die Kommunisten selber sind freilich nicht wundergläubig: Als sie vor zweieinhalb Jahren in Neapel eine linke Stadtverwaltung bildeten, stellten sie zwar einen honorigen Mann, Maurizio Valenzi, in den Sumpf dieser Großstadt, deren Verrottung nur noch mit der Kalkuttas oder Bombays vergleichbar ist. Doch von Triumph keine Spur. Auf die Frage, wie viele Jahre er brauche, um die Stadt zu, sanieren, entgegnete damals Valenzi: "Jahre? Jahrzehnte!"

Jetzt, nach dreißig Monaten, wirken die Hauptstraßen etwas sauberer; die Korruption schreit nicht mehr so schamlos zum Himmel, sondern hat sich verkrochen. Aber noch immer demonstrieren die Scharen der Arbeitslosen vor dem Rathaus, protestieren die Hoffnungslosen dagegen, daß man ihnen den schmalen Raum neben der Legalität (etwa den Handel mit Schmuggelware) verwehrt; noch immer sterben in "Bella Napoli" mehr Neugeborene als in irgend einer Großstadt Europas.

Was aber taten jetzt die schadenfrohen Christdemokraten, die vor den Kommunisten in Neapel jahrzehntelang geherrscht hatten? Heimtückisch stimmten sie im Stadtrat für das Budget des Kommunisten Valenzi, der nach solchem Beifall von der falschen Seite sofort seinen Rücktritt erklärte. Seine Parteispitze freilich erkennt in dieser Zustimmung eine Chance: Sie will auch in Neapel, wie demnächst in Rom, zusammen mit den Christdemokraten regieren – und sei es um den Preis des Bürgermeisterpostens. Wird Neapel auch diesen Tanz seiner Medizinmänner überleben oder wird es alle – Christen wie Heiden – eines Tages mit seinem Leichnam vergiften? hjst.